Reisetagebuch – Kapitel 6 (2/2): Portugal, Lissabon und der Weg zurück nach Spanien

· Lesezeit: ~8–10 Min
Abschied von Pachamama
Nach zwei Nächten bei Pachamama hieß es wieder einmal Abschied nehmen. Die drei Kinder, die wir dort kennengelernt hatten, eine reisende Vanlife-Familie, waren schon seit unserer Ankunft völlig fasziniert vom Bronco. Als wir dann am Morgen das Dach herunterlassen wollten, waren sie sofort wieder zur Stelle. Neugierig und voller Energie kletterten sie mit mir auf die Motorhaube, wollten genau wissen, wie alles funktioniert. Ein Abschied mit Kinderlachen: der perfekte Start in den Tag.


Dann rollten wir vom Platz und machten uns auf den Weg nach Lissabon.
Camp in Montijo – Basis für Lissabon
Weil Lissabon für große Autos ein Albtraum ist, entschieden wir uns für ein kleines Camp in Montijo. Es war… ein alter Garten. Viel Potenzial, aber alles noch ganz am Anfang: kalte Duschen, kaum sanitäre Anlagen, improvisierte Ecken. Aber: zentral. Mit der Fähre war man in wenigen Minuten mitten in Lissabon. Und genau das war uns wichtig.
Lissabon erleben und vegan im Kong
Weil Wochenende war, hatten wir endlich genug Zeit, Lissabon wirklich zu erleben. Diese Stadt verdient mehr als ein paar schnelle Stunden nach einem Arbeitstag. Sie ist groß, voller Kontraste, voller Geschichte, eine Stadt, die Raum braucht. Ein paar Impressionen von Lissabon hier in Bildern, oder auf 🎥YouTube: Aussicht.



Wir nahmen die Fähre, und Lissabon empfing uns mit Energie und nach einem kurzen, aber heftigen Regenguss mit Herbstsonne. Wir schlenderten ganz gemütlich stundenlang den steilen Hügel hinauf zu einem Aussichtspunkt mit Blick über Dächer und Meer. Die Stadt rauschte förmlich um uns herum: sauber, quirlig, laut und gleichzeitig warm und einladend.
Abends wollten wir essen gehen, aber Lissabon war voll. Alle Restaurants waren ausgebucht. Jürgen fand schließlich dank Google das Restaurant Kong. Was wir erst dort bemerkten: Es war vegan. Wir ließen uns darauf ein und wurden absolut positiv überrascht. Fantastisches Essen, wunderschön angerichtet, voller Farben und Geschmack.



LX Factory, Catch Me Bar & Cacilas
Am nächsten Tag nahmen wir erneut die Fähre, diesmal direkt zur LX Factory. Ein kreatives Labyrinth aus Showrooms, Designwerkstätten, Ateliers, Cafés, Kunst und riesigen Graffitis. Wir verbrachten mehrere Stunden dort und fanden an jeder Ecke etwas Neues. 🎥 Tolle Atmosphäre und 🎥 Talk in der LX Factory!
Auf dem Rückweg kehrten wir in der Catch Me Bar ein, mit Blick aufs Wasser. Gerade rechtzeitig für einen atemberaubenden Sonnenuntergang, der die Stadt gold färbte.

Weiter ging’s am Hafen entlang bis zum Bahnhof, wo die Fähre wieder ablegte – vorbei an einem Graffiti-Shop, in dem wir Spraydosen für den Bronco kauften. Wir brauchten ein kleines Reparatur-Set, da wir in Moncarapacho einen Unfall beim Rückwärtsfahren hatten. Zum Glück nur ein Lackschaden!

Der freundliche Verkäufer empfahl uns ein Fischrestaurant in Cacilhas auf der anderen Seite. Also nahmen wir wieder die Fähre, aßen dort köstlich und warteten danach ewig auf die letzte Fähre zurück nach Montijo.
Ein riesiges Landgut aus Park4Night
Am nächsten Tag ging es weiter zu einem riesigen Landgut in Moura, das wir über Park4Night gefunden hatten. Es war so groß, dass man dort locker einen Marathon hätte laufen können. Hügel, Tiere, Olivenbäume, und wir waren die einzigen Gäste.
Wir stellten den Bronco auf einen Hügel mit Rundumblick. Ich ging laufen, begleitet von einem der Hofhunde. Nach viereinhalb Kilometern fand ich eine tote Kuh, rief den Bauern an und lief wieder zurück. Dort oben konnten wir wunderbar arbeiten, fernab von allem. Ein schöner Stop, bevor es dann am nächsten Tag für uns weiter ging.



Sevilla bei Nacht
Unser nächstes Ziel war Sevilla. Dort gibt es keinen Campground, nur einen zentral gelegenen Wohnmobilstellplatz. Nicht der schönste Ort, aber uns war wichtig, dass der Bronco sicher stand. Und genau das war hier gegeben. Mit dem UBER fuhren wir abends in die Stadt. Sevilla bei Nacht ist ein Erlebnis: historische Gebäude, vibrierende Plätze, Musik, Restaurants – 🎥 warmes, lebendiges Andalusien.


Ronda – Schlucht im Dunkeln und im Licht
Am nächsten Tag ging es weiter nach Ronda. Der Campground war über eine steile, steinige Offroad-Strecke erreichbar. Für den Bronco kein Problem, eher mental für uns. Dort oben konnten wir wieder herrlich arbeiten.


Abends gingen wir zu Fuß in die Stadt und erkundeten Ronda im Dunkeln. Die berühmte Schlucht wirkte mystisch: eine schwindelerregende Tiefe, bei der man im Dunkeln kein Ende erkennen konnte. Jürgen schaute hinunter, ihm wurde sofort schummrig, und er trat direkt einen Schritt zurück.

Am nächsten Tag arbeiteten wir bis mittags auf dem wunderschönen Campground, fuhren dann erneut mit dem Bronco in die Stadt, diesmal im Tageslicht. Ein völlig neuer Eindruck: weit, klar, beeindruckend.

Gebirgsstraße nach Monda – der Bronco als Champion
Von Ronda bis Monda sind es eigentlich nur 60 Kilometer. Wir dachten: easy. Doch die Route führte uns über eine Gebirgsstraße auf 1100 Meter Höhe: enge Kurven, steile Abhänge, viel Panorama. Für die 60 Kilometer brauchten wir über zwei Stunden.

Aber der Bronco lief wie ein Champion. Keine Aussetzer, kein Ausgehen, keine Probleme. Er brachte uns sicher bis nach Monda, gerade rechtzeitig für den nächsten Housesitting-Job. Einen kleinen Eindruck der Pass-Straße zwischen Ronda und Monda über El Burgo bekommt ihr in unserem 🎥 Short!
Moment des Tages
Ein goldener Sonnenuntergang über Lissabon – und das Gefühl, dass dieses Wochenende genau die Zeit war, die wir dort gebraucht haben.
