Reisetagebuch – Kapitel 4: Zwischen Pferden, Pässen und Pannen

· Lesezeit: ~7–9 Min
Abschied aus Montouliers
Am 19. Oktober hieß es Abschied nehmen. Nach fast zwei Wochen in Montouliers packten wir den Bronco, verabschiedeten uns von Hestur, Bally, Bruma, Django und Fargo und den schon fast “lieb gewonnenen” Nachbarn und machten uns auf den Weg Richtung Portugal. Unser Ziel: Moncarapacho an der Algarve. Dort warteten schon zwei wilde Cockerpoos auf uns: Molly und Felix, ein unzertrennliches Geschwisterpaar. Ankunftszeit laut Plan: der 22. Oktober, spätnachmittags. Das klang machbar – zumindest theoretisch. Mit dem Bronco ist jeder Kilometer ein kleines Abenteuer, und 400 Kilometer am Tag sind eine echte Etappe.
Über Andorra – Pferde auf der Passstraße
Wir entschieden uns für die Route über Andorra. Ein weiteres Land, ein weiterer Aufkleber und, noch wichtiger: eine Neugier, die uns einfach nicht losließ. Weder Jürgen noch ich waren je dort gewesen. Der Weg dorthin war spektakulär und steil. Kurve um Kurve schraubten wir uns in die Pyrenäen. Es wurde kälter, der Wind nahm zu, und plötzlich, mitten auf der Passstraße: eine Herde Pferde. Ein Dutzend Tiere stand einfach auf der Fahrbahn, als gehöre die Straße ihnen. Schaut euch dazu gerne unser Video auf YouTube an.

Wir hielten an, schauten uns an, wussten kurz nicht, ob wir träumten. Die Pferde liefen vor uns her, völlig unbeeindruckt, während aus der Gegenrichtung Autos kamen, die nichts ahnten. Für einen Moment war alles Chaos, bis glücklicherweise der Besitzer auftauchte, mit mehreren Gehilfen. Sie trieben die Tiere zusammen, wir folgten langsam kilometerweit, wie Teil eines lebenden Konvois. Es war einer dieser Momente, in denen man nicht weiß, ob man lachen oder staunen soll. Am Ende war es beides.
Über einen Pass auf über 2.000 Metern erreichten wir schließlich 🎥 Andorra. Durch Tunnel, vorbei an Skigebieten, hinein in eine Stadt, die auf seltsame Weise modern und doch bergverwurzelt ist. Wir bummelten durch Andorra la Vella, genossen die klare Luft und freuten uns über das Gefühl, einfach da zu sein, wo wir noch nie waren.
Nacht am Parkplatz bei der Escola Els Planells
Von Andorra ging es weiter Richtung Spanien. Unser nächster Stopp: ein Parkplatz bei der Escola Els Planells. Kein Campingplatz, kein Komfort einfach nur ein Ort zum Schlafen. Für mehr war es einfach zu spät am Abend und auch schon dunkel. Und doch passierte dort etwas, das den Tag perfekt machte.

Drei Jungs, vielleicht zehn Jahre alt, tauchten auf. Neugierig, höflich, voller Fragen. Einer sprach etwas Englisch, übersetzte für die anderen, und plötzlich standen wir mitten in einem fröhlichen Sprachenmix aus Englisch, Spanisch und Händen und Füßen. Wir schenkten ihnen einen MilesMeetsMoments-Aufkleber, sie lachten und waren stolz. Am nächsten Tag bekamen wir tatsächlich eine Nachricht und einen neuen Follower auf YouTube: „Hello, it’s your friend from Spain!“ Neue Freunde, einfach so – aus einem Parkplatz-Abend.
Xeraco Playa und erste Nacht am Meer
Am nächsten Tag fuhren wir weiter Richtung Mittelmeer. Unser Ziel: Xeraco Playa, ein Campingplatz wie aus einem Reisemagazin. Palmen, blauer Himmel, weiße Stellplätze – fast Karibik. Nur der Pool passte nicht ins Bild: Er war leer. Ein Defekt, Wasser abgelassen. Kein Bad, aber Sonne satt. Wir saßen draußen, genossen den warmen Wind, schauten auf die Palmen und spürten für einen Moment diese Leichtigkeit, die man unterwegs manchmal verliert.

Die letzte Nacht verbrachten wir in Águilas, direkt am Meer. Keine zehn Meter vom Wasser entfernt auf einen sandigen Parkplatz mit mindestens 20 weiteren Wohnimmobilien. Wir öffneten die Hecktüren und hörten die Wellen rauschen – das erste Mal, dass wir wirklich am Meer geschlafen haben. Ein Moment, der nach Salz, Freiheit und Abenteuer schmeckte.


Panne kurz vor Portugal
Am nächsten Morgen fuhren wir los, das Ziel fast erreicht. Noch rund hundert Kilometer bis Moncarapacho, und wir waren bestens in der Zeit. Bis der Bronco plötzlich stotterte – und ausging. Einfach so. Auf der Autobahn Mal wieder zum Glück kurz vor der Ausfahrt.
Wir schafften es gerade noch, auf den Seitenstreifen zu rollen. Jürgen hatte schon eine Idee, woran es liegen konnte: ein wackeliges Zündkabel. Wir lenkten in ein nahegelegenes Industriegebiet. Der Motor wollte nicht so recht. Eine kleine Werkstatt hatte noch auf, aber helfen konnte sie nicht. Das war ihnen auch egal. Ihr wohl verdienter Feierabend war ihnen wichtiger. Der ADAC wollte uns ebenfalls nicht über die Grenze abschleppen. Spanien, Portugal – das machen wir nicht, hieß es.
Dann sahen wir zwei Männer einer Spedition, zwei Engel in Arbeitskleidung. Sie boten uns an, den Bronco auf ihrem Hof zu parken, damit er sicher stand. Das war Gold wert, denn im Auto war unser ganzes Leben: Technik, Kameras, Wertsachen – alles.
Also entschieden wir uns, das Auto stehen zu lassen. Einer der beiden Männer fuhr uns sogar 30 Kilometer weit zur nächsten Mietwagenstation – die letzte, die noch geöffnet hatte. So viel Hilfsbereitschaft spät am Abend war einfach unglaublich.
Ankunft in Moncarapacho
Mit dem Mietwagen setzten wir die Reise fort. Gegen 22 Uhr, viel später als geplant, erreichten wir Moncarapacho. Müde, hungrig, aber erleichtert. Eigentlich wollten wir mit den Housesitting-Eltern noch Fisch essen gehen. Stattdessen fielen wir einfach nur ins Bett. Wir waren da. Und das war alles, was zählte.
Moment des Tages
Manchmal bringt dich das Leben auf Umwege, damit du die Menschen triffst, die dich genau dann brauchen – oder die du brauchst.