Reisetagebuch Kapitel 33: Fähre von Tanger Med nach Genua & Ankommen am Gardasee

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56 Stunden zwischen zwei Welten – von Tanger Med nach Genua und weiter an den Gardasee.

Kapitel 33 · Tanger Med – Genua – Gardasee · Fähre zurück nach Europa

Kapitel 33: 56 Stunden zwischen zwei Welten

Irgendwann kommt auf jeder Reise dieser Moment, an dem man merkt, dass ein Abschnitt wirklich endet.

Bei uns war das in Tanger Med.

Nach fast einem halben Jahr Marokko standen wir plötzlich zwischen Lastwagen, Wohnmobilen, Autos und Reisenden aus allen möglichen Ländern und warteten darauf, auf eine Fähre zu fahren, die uns zurück nach Europa bringen sollte.

56 Stunden bis Genua.

Für uns war das die erste wirklich lange Fährüberfahrt überhaupt. Und ehrlich gesagt wussten wir vorher gar nicht so genau, wie sich das anfühlen würde.

Warten auf die Fähre

Die Fähre sollte um 23:59 Uhr ablegen.

Das Boarding-Fenster war riesig angesetzt, irgendwo zwischen 15 und 20 Uhr, und wie wahrscheinlich fast alle anderen Reisenden wollten wir lieber zu früh als zu spät dort sein.

Also standen wir schon relativ früh am Hafen von Tanger Med.

Und dann begann erstmal das Warten.

Die längste Zeit verbrachten wir tatsächlich vor dem großen Röntgengerät. Jedes Fahrzeug musste dort durch. Es wurde kontrolliert, ob sich Mitfahrer eingeschlichen hatten oder ob Drogen, Waffen oder andere verbotene Dinge an Bord gebracht werden.

Danach ging es weiter durch die Stationen von Polizei und Zoll – alles lief Schritt für Schritt ab. Streng organisiert, aber gleichzeitig deutlich entspannter, als wir es uns vorher vorgestellt hatten.

Irgendwann standen dann alle Fahrzeuge gesammelt vor der Fähre und warteten darauf, endlich aufs Schiff fahren zu dürfen.

Und genau dieser Moment war überraschend angenehm.

Man kam mit anderen Reisenden ins Gespräch, holte sich noch etwas zu trinken, beobachtete das Geschehen und merkte irgendwann, dass die Zeit deutlich schneller verging als gedacht.

Auf dem Schiff

Fast pünktlich ging es dann tatsächlich los.

Und plötzlich wurde aus diesem langen Tag einfach nur noch Meer.

Die Überfahrt selbst war deutlich unspektakulärer, als wir es uns vorher vorgestellt hatten.

Vielleicht auch deshalb, weil ich die meiste Zeit krank war.

Zum Glück hatten wir uns für eine Kabine mit richtigen Betten entschieden. Viele Reisende verbringen solche Überfahrten auf Sesseln oder irgendwo auf dem Schiff verteilt, aber bei fast zweieinhalb Tagen Fahrt wollten wir zumindest einen kleinen Rückzugsort haben.

Und das war im Nachhinein definitiv die richtige Entscheidung.

Während draußen irgendwo das Mittelmeer vorbeizog, haben wir viele Stunden einfach geschlafen. Zwischendurch mal etwas gegessen, kurz aufs Deck gegangen, wieder hingelegt.

Die Tage verschwammen ein bisschen ineinander.

Dazu kam, dass wir unseren Kunden vorher bereits Bescheid gegeben hatten, dass wir in dieser Zeit kaum erreichbar sein würden. WLAN gab es zwar an Bord, aber zu Preisen, die man nicht wirklich nutzen möchte.

Also waren wir zum ersten Mal seit langer Zeit wirklich offline.

Und das hatte auch etwas.

Ankunft in Genua

Am 14. Mai kamen wir schließlich in 🎥 Genua an.

Sogar anderthalb Stunden früher als geplant.

Und plötzlich war alles wieder komplett anders.

Andere Straßen, anderer Verkehr, andere Temperaturen.

Je näher wir Richtung Gardasee kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Nach den Monaten in Marokko fühlte sich das erstmal ungewohnt an.

Grauer Himmel, strömender Regen für die nächsten zwei Tage, kühlere Luft.

Und trotzdem hatten wir ziemlich schnell das Gefühl, dass wir genau jetzt erstmal ankommen müssen.

Ankommen am Gardasee

Wir fanden einen kleinen Campingplatz in PadengheVillaggio dei Tigli, direkt am Wasser, mit Zugang zum See und Blick auf die Berge. 🎥 Padenghe ist ein kleiner gemütlicher Ort.

Dort blieben wir erstmal drei Nächte.

Nach all den Monaten unterwegs, nach Marokko, der Fähre und den vielen Eindrücken hatten wir beide das Gefühl, dass wir jetzt wirklich ankommen müssen. Nicht nur geografisch, sondern auch im Kopf.

Marokko war intensiv gewesen. Laut, warm, voller Begegnungen und ständig in Bewegung. Und plötzlich saßen wir am Gardasee, hörten das Wasser, sahen die Berge und merkten, wie anders sich Europa wieder anfühlt.

Ruhiger, strukturierter, ein Stück vorhersehbarer.

Und gleichzeitig auch ungewohnt.

Es dauert einen Moment, bis man wieder in diesem Rhythmus ist.

Gerade wenn man so lange unterwegs war und sich daran gewöhnt hat, dass jeder Tag anders aussieht, dass Dinge spontan passieren und man oft nicht genau weiß, was als Nächstes kommt.

Genau in dieser Phase passiert bei uns oft etwas.

Man kommt zur Ruhe, lässt die letzten Wochen ein Stück weit sacken, und plötzlich entsteht Raum für neue Gedanken.

Nicht geplant, nicht am Laptop, nicht in einem strukturierten Meeting.

Sondern irgendwo zwischendrin.

Und genau so war es auch dieses Mal. Es passierte in Desenzano. Hier noch ein kleines 🎥 Reel.

Der Moment dieses Kapitels

Als die Fähre in Genua anlegte, dachten wir eigentlich, dass jetzt erstmal eine ruhigere Phase beginnt.

Ein bisschen ankommen, ein bisschen sortieren, vielleicht einfach ein paar Tage ohne große Entscheidungen.

Nach fast einem halben Jahr Marokko hätte sich das auch richtig angefühlt.

Aber so funktioniert diese Reise inzwischen nicht mehr.

Schon wenige Tage später standen wir am Gardasee, liefen am Ufer entlang und merkten, dass sich wieder etwas entwickelt.

Am Anfang ist es nur ein Gedanke.

Dann spricht man darüber.

Und irgendwann merkt man, dass daraus mehr werden könnte.

Nicht, weil man es geplant hat.

Sondern weil genau dieser Moment dafür da ist.

Vielleicht ist genau das das Spannende an solchen Reisen.

Dass man einen Abschnitt abschließt und noch gar nicht richtig realisiert hat, was alles passiert ist, während sich im Hintergrund schon der nächste Gedanke formt.

Und oft sind es genau diese Übergänge, die am meisten verändern.
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