Reisetagebuch Kapitel 32: Abschied von Marokko, Mr. Tingle und Fähre nach Europa

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Abschied von Marokko – nach fast einem halben Jahr, vielen Begegnungen und einem neuen Mitreisenden.

Kapitel 32 · Abschied von Marokko · Marrakesch – Mohammedia – Chefchaouen – Tanger Med

Kapitel 32: Abschied von Marokko

Eigentlich wollten wir längst weiter sein.

Der Plan war klar gewesen: noch ein paar letzte Tage, dann Richtung Fähre und zurück nach Europa. Nach fast einem halben Jahr Marokko, mit einer kurzen Unterbrechung zwischendrin, fühlte sich das auch irgendwie richtig an. Wir hatten unglaublich viel gesehen, waren weit gefahren, hatten den Süden erlebt, die Wüste, den Atlas, die Küste.

Und trotzdem wurden aus „noch ein paar Tagen“ plötzlich wieder deutlich mehr.

Wie so oft auf Reisen passierte das nicht wegen eines großen Ereignisses.
Sondern wegen vieler kleiner Dinge, die sich einfach richtig angefühlt haben.

Und mittendrin: Mr. Tingle.

Mr. Tingle und die Frage, die plötzlich im Raum stand

Als wir den kleinen Kater kennengelernt haben, war eigentlich noch überhaupt nichts entschieden.

Aicha hatte ihn und seine Schwester gefunden und aufgenommen, und relativ schnell war klar, dass dieser kleine Kerl uns irgendwie nicht mehr aus dem Kopf ging. Er lief uns hinterher, war neugierig auf alles, hatte überhaupt keine Berührungsängste und wirkte fast so, als würde er schon immer dazugehören.

Und irgendwann stand diese Frage im Raum, die zuerst völlig verrückt klang:

Nehmen wir ihn mit?

Je länger wir darüber nachgedacht haben, desto klarer wurde eigentlich, dass die Entscheidung längst gefallen war. Vor allem, weil Mr. Tingle selbst offensichtlich überhaupt nichts dagegen hatte, Teil dieser Reise zu werden.

Damit begann allerdings auch der organisatorische Teil.

Denn ohne Tollwutimpfung kann man Marokko mit einem Tier nicht verlassen. Also waren wir am 1. Mai mit ihm beim Tierarzt. Er wurde geimpft, gechippt und erstaunlich tapfer hat er alles über sich ergehen lassen.

Und plötzlich fühlte sich alles noch einmal echter an.

Denn jetzt war klar:
Der kleine Kater reist tatsächlich mit uns weiter.

Ein Besuch bei Helga

Ein paar Tage später, am 5. Mai, haben wir dann Helga besucht.

Eine Deutsche, die in der Nähe von Marrakesch seit vielen Jahren Tierschutz betreibt. Helgas Verein heißt Fondation Helga Heidrich Tier- und Artenschutz e.V.. Wir wussten bereits vorher, dass dort über 500 Hunde leben, dazu Esel, Katzen, eine Riesenschildkröte, ein Dromedar und viele weitere Tiere. Das hatte sie uns schon am Telefon erzählt.

Und trotzdem waren wir überrascht.

Nicht wegen der Menge an Tieren, sondern wegen der Ruhe und Ordnung dort. Alles wirkte unglaublich gepflegt, strukturiert und gleichzeitig sehr liebevoll. Die Tiere machten einen ruhigen und zufriedenen Eindruck, obwohl dort natürlich unglaublich viel Arbeit dahintersteckt.

Jürgen hat dort einige Aufnahmen gemacht, wir haben lange mit Helga und natürlich auch über Mr. Tingle gesprochen. Für uns war wichtig zu verstehen, wie wir ihn sicher und verantwortungsvoll mit nach Europa nehmen können.

Und wie so oft auf dieser Reise entstanden auch dort wieder Begegnungen, mit denen wir überhaupt nicht gerechnet hatten.

Mohammed

Bei Helga haben wir Mohammed kennengelernt.

Immobilienberater in Marokko, unglaublich sympathisch und jemand, mit dem die Gespräche sofort leicht wurden. Manchmal merkt man nach wenigen Minuten, dass die Chemie einfach stimmt, und genau so war es dort.

Eigentlich wollten wir nach dem Tierarzttermin längst weiterfahren. Aber es war schon spät geworden, und am Ende haben wir uns entschieden, noch einmal zu Aicha zurückzufahren.

Und ehrlich gesagt hatten wir beide schon beim Abschied am Morgen das Gefühl gehabt, dass das noch gar kein richtiger Abschied war.

Im Nachhinein war genau das wieder einer dieser typischen Reisemomente, in denen sich ein spontaner Entschluss plötzlich als genau richtig herausstellt.

Denn dort kam Jürgen die Idee, Mohammed zu interviewen.

Wir haben ihn gefragt, ob er Lust darauf hätte, und er war sofort begeistert. Besonders berührt hat uns dabei ein Satz von ihm. Er erzählte uns, dass wohl auch schon RTL und ZDF angefragt hätten, er Interviews aber bisher immer abgelehnt habe. Bei uns sei das anders, sagte er. Die Chemie würde einfach stimmen.

Das hat uns ehrlich gesagt ziemlich geehrt.

Eigentlich wollten wir das Interview im berühmten Hotel La Mamounia führen. Vor Ort stellte sich dann allerdings heraus, dass dort keine Filmaufnahmen erlaubt sind – verständlicherweise. Also haben wir spontan umgeplant und sind in ein anderes Hotel ausgewichen.

Und genau dadurch wurde es am Ende wahrscheinlich sogar entspannter.

Das Interview selbst hat unglaublich viel Spaß gemacht und daraus ist wieder eines dieser Videos entstanden, die sich eher wie ein Gespräch anfühlen als wie ein klassisches Interview.

Der große Werkstattbesuch

Irgendwann war klar, dass der Bronco noch einmal gründlich angeschaut werden musste.

Nach den vielen Kilometern durch Marokko, den Pisten, den langen Strecken und einigen kleineren Problemen wollten wir das Fahrzeug einmal komplett durchchecken lassen, bevor es später weiter Richtung Europa und Balkan gehen sollte.

Und genau dabei hat uns Aicha wieder unglaublich geholfen.

Sie hat den Kontakt zur Werkstatt hergestellt, Termine organisiert und dafür gesorgt, dass wir bei Leuten landen, die wirklich wissen, was sie tun.

Der Bronco war am Ende drei Tage in der Werkstatt.

Und in dieser Zeit wurde deutlich mehr gemacht, als ursprünglich geplant war.

Die Kühlerfront wurde modifiziert und lackiert, die Seiten grundiert und schwarz-matt lackiert. Öl- und Filterwechsel standen an, Bremsflüssigkeit wurde aufgefüllt, die Zentralverriegelung erneuert und der Fensterheber repariert.

Dazu kamen viele kleinere Dinge, die sich über die Reise angesammelt hatten: Radkastenverkleidungen wurden repariert und lackiert, Frontteile überarbeitet, die Getriebe-Ölwanne abgedichtet, Nebelscheinwerfer und Scheinwerfer ordentlich angeschlossen, eine amtliche Hupe verbaut und sogar der Kompressor wieder instand gesetzt.

Eigentlich war es längst 🎥 mehr als nur ein Werkstattbesuch geworden.

Eher eine kleine Generalüberholung mitten auf der Reise.

Und ehrlich gesagt tat es gut, den Bronco danach wieder so zu sehen. Nicht nur technisch, sondern auch optisch fühlte sich vieles wieder „rund“ an.

Vor allem nach den Monaten unterwegs hatte man plötzlich wieder das Gefühl, dass jetzt auch die nächste große Etappe kommen kann.

Abschied von Aicha

Irgendwann kam dann aber tatsächlich der Moment, an dem wir weiterfahren mussten.

Und dieser Abschied war anders als viele andere davor.

Vielleicht, weil wir deutlich länger geblieben waren als geplant. Vielleicht auch, weil aus einem Stellplatz längst mehr geworden war.

Aicha zu verabschieden fühlte sich jedenfalls nicht nach einem normalen Reiseabschied an.

Dazu gibt es nicht ohne Grund noch ein eigenes Kapitel in unserem Blog. 🎥 Wir hatten eine wunderbare Zeit.

Zurück an die Küste

Am 7. Mai ging es schließlich weiter.

Und zum ersten Mal seit den Problemen mit dem Bronco haben wir uns wieder auf die Autobahn getraut. Ein kleiner Moment eigentlich, aber für uns war das durchaus ein gutes Gefühl.

Vor allem für Mr. Tingle war es eine neue Erfahrung. Es war seine erste größere Autofahrt überhaupt. Und erstaunlicherweise hat er das unglaublich entspannt mitgemacht. Sobald sich der Bronco in Bewegung gesetzt hat, wurde er ruhig und hat meistens einfach geschlafen.

Die 🎥 Fahrt Richtung Küste lief problemlos, und am Abend kamen wir in Mohammedia auf dem Campingplatz L´Océan Bleu an.

Für Mr. Tingle war es dort auch das erste Mal am Strand.

Allerdings war er von der Idee deutlich weniger begeistert als wir. Überall liefen Streuner und freilaufende Katzen herum, und das war ihm offensichtlich nicht ganz geheuer.

Wiedersehen bei Adnan

Am 8. Mai kamen wir noch einmal bei Adnan an, Camping Tahadart in Briech.

Dort hatte unsere Marokko-Reise ursprünglich begonnen, und allein deshalb fühlte es sich schon besonders an, noch einmal 🎥 zurückzukehren

Es war schön, Adnan wiederzusehen und gleichzeitig auch noch einmal neue Menschen kennenzulernen. Auf Campingplätzen entstehen diese Begegnungen oft ganz automatisch. Man kommt ins Gespräch, tauscht Geschichten aus, spricht über Strecken, Fähren, Probleme und Pläne.

Einige der Reisenden trafen wir später tatsächlich noch einmal auf der Fähre nach Europa wieder.

Auch das gehört irgendwie zu solchen Reisen dazu.

Chefchaouen

Am 10. Mai ging es dann weiter 🎥 Richtung Norden.

Ein letzter größerer Stopp stand noch aus: Chefchaouen.

🎥 Die blaue Stadt.

Angeblich die schönste Stadt Marokkos.

Natürlich wollten wir selbst sehen, ob das wirklich stimmt.

Und ehrlich gesagt können wir den Ruf der Stadt ziemlich gut nachvollziehen.

Die engen blauen Gassen, die Stimmung am Nachmittag, dieses Licht in den kleinen Straßen – das alles hatte schon etwas Besonderes.

Leider hatten wir nur noch einen Nachmittag Zeit dort. Viel zu wenig eigentlich. Trotzdem hat es gereicht, um zu verstehen, warum so viele Menschen diesen Ort lieben.

Und wie so oft auf dieser Reise entstand auch dort wieder etwas spontan. Jürgen hatte plötzlich noch einmal Lust, die Kamera rauszuholen und ein paar Aufnahmen zu machen. Einfach, weil dieser Ort dafür wie gemacht war. Und wir hatten hier den 🎥 lustigsten Barbier-Besuch unserer bisherigen Reise.

Richtung Fähre

Am 11. Mai ging es dann weiter Richtung Tanger Med.

Von Chefchaouen aus waren es noch etwa zweieinhalb Stunden Fahrt bis zum Hafen.

Mittags kamen wir dort an.

Und dann begann langsam dieser seltsame Übergang zwischen zwei Welten.

Europa lag plötzlich wieder direkt vor uns. Nach fast einem halben Jahr Marokko fühlte sich das merkwürdig an.

Nicht falsch.
Aber ungewohnt.

🎥 Bronco´s Platz auf der Fähre

Der Moment dieses Kapitels

Marokko war am Ende viel mehr als nur eine Strecke auf unserer Reise.

Es waren nicht nur die Städte, die Wüste oder die Berge.

Es waren die Menschen, die Begegnungen und all die Situationen dazwischen, die man vorher nicht planen kann.

Aicha.
Adnan.
Helga.
Mohammed.
Und irgendwo mittendrin plötzlich Mr. Tingle.

Als die Fähre den Hafen langsam verließ und die Küste immer kleiner wurde, hatten wir nicht das Gefühl, einfach nur ein Land hinter uns zu lassen.

Eher das Gefühl, einen Abschnitt zu beenden, der deutlich größer geworden war, als wir es am Anfang erwartet hatten.
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