Reisetagebuch – Kapitel 30: Fès, Meknès, Ouzoud und Marrakesch

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Reisetagebuch › Kapitel 30

Zwischen Gassen, Begegnungen und einer lauten Nacht an der Tankstelle.

· Fès – Meknès – Ouzoud – Marrakesch

Mitten in der Medina von Fès

Mit der Ankunft in Fès begann für uns ein weiterer spannender Abschnitt unserer Reise.

Nach den ruhigen Tagen in der Natur und den Bergen tauchten wir plötzlich wieder ein in das komplette Gegenteil: eine lebendige, dichte, pulsierende Stadt.

Wir hatten das Glück, eine richtig gute Parkplatzempfehlung zu bekommen, direkt an der Medina.

Und genau dort blieben wir auch über Nacht.

Fès ist bekannt für seine Altstadt, und tatsächlich gehört die Medina von Fès (Fès el-Bali) zu den größten autofreien und auch rollerfreien Altstädten der Welt und gilt als eine der größten und ältesten Medinas überhaupt.

 

Platz in Fes

Liebevoll aufgebauter Obststand in Fes

Ein Labyrinth aus engen Gassen, kleinen Läden, Werkstätten und Menschen.

Gässchen in Fes

Und ja:

Man kann sich hier definitiv verlaufen.

Wir sind einfach losgezogen, ohne Plan, ohne Guide. Und erst später haben wir gelesen, dass es ein System aus Sackgassen und Durchgangswegen gibt. Da waren wir aber schon längst wieder zurück. Hier gibt es ein paar 🎥 Eindrücke von Fes.

Typische Schilder in Fes

Ein Ort zum Durchatmen

Nach Fès zog es uns wieder raus in die Natur. Südlich von Fès fanden wir eine Anlage mit kleinen Rundhäusern, die Auberge Domes Relax. Dort war es sehr ruhig, fast wie Urlaub, was auch dieses 🎥 Reel zeigt.

Afrikanische Rundhütten im Camp „Auberge Domes Relax", manche sogar mit Schlafzimmer unter der Erde

Doch das Wetter war kalt und regnerisch. Viel Zeit verbrachten wir im und 🎥 am Bronco beim Arbeiten.

Zwischendurch wagten wir noch einen kleinen Ausflug in den Canyon, zu dem man direkt am Camp absteigen konnte. Wir kletterten hinunter und wollten eine kleine Wanderung machen.

Doch nach etwa 20 Minuten zog ein Gewitter auf.

Und wir machten schnell kehrt.

Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt wirklich noch eisig – wahrscheinlich eines der letzten kalten Tiefs, das über Marokko zog.

Meknès – diesmal mit Guide

Am nächsten Tag ging es weiter nach Meknès.

Viel Zeit hatten wir nicht, denn langsam wollten wir wieder Richtung Marrakesch zurück.

Also entschieden wir uns für einen kurzen, aber intensiven Stopp.

In Meknès parkten wir wieder in der Nähe der Medina, und dieses Mal lief es anders als sonst.

Vor einem der unzähligen wunderschönen Eingangstüren

Bögen zum nächsten „Viertel" in Meknes

Ein Guide sprach uns direkt an.

Wir entschlossen uns spontan für eine Führung. Das war eine gute Entscheidung.

Unser Guide in Meknes

Geschichte, die man sonst nicht sieht

Unser Guide zeigte uns die Stadt über mehrere Stunden hinweg. 

Er erklärte uns die Struktur der Medina, die verschiedenen Viertel und ihre Funktionen:

  • Schmiedeviertel
  • Stoffviertel
  • Holzverarbeitung
  • und viele mehr

In einer Silberwerkstatt in Meknes

Hier könnt ihr noch den 🎥 „Anheizer" sehen. Gibt´s bei uns schon seit mindestens 100 Jahren nicht mehr.

Wir erfuhren, dass es in Meknès über 120 Moscheen gibt.

Und auch über die Geschichte der jüdischen Bevölkerung, die früher ein wichtiger Teil der Stadt war, heute aber kaum noch präsent ist.

Hier seht ihr noch ein wenig mehr über den Ort 🎥 Meknes.

Durch die vielen Torbögen gelangt man in unterschiedliche Bereiche, fast wie kleine Städte in der Stadt.

Stadttor in Meknes

Es war spannend, das alles einmal nicht nur zu sehen, sondern auch zu verstehen.

Restaurant Dar Lalla Khadra in Meknes

Der Bronco bleibt stehen

Noch in Meknès, direkt nach unserer Tour durch die Stadt, kam es dann wieder so, wie es auf dieser Reise offenbar immer wieder passiert:

Der Bronco wollte nicht mehr.

Mitten in der Stadt, fast schon ironischerweise wieder in der Nähe einer Tankstelle, machte er plötzlich Probleme.

Und dieses Mal so richtig.

Wir waren froh, dass wir es überhaupt noch bis zur Tankstelle geschafft hatten.

Denn danach ging nichts mehr.

Ursachenforschung – ohne Ergebnis

Jürgen machte sich direkt daran, nach der Ursache zu suchen.

Doch diesmal war es nicht so offensichtlich.

Niemand konnte uns wirklich helfen. Es war Samstag, vieles hatte bereits geschlossen, und Unterstützung war schwer zu finden.

Gemeinsam mit den Tankwarten wechselten wir noch den Benzinfilter, in der Hoffnung, dass es daran liegt.

Bronco an der Tankstelle in Meknes

Tat es nicht.

Also blieb uns nichts anderes übrig, als direkt dort zu übernachten.

Die lauteste Nacht der Reise

Diese Nacht werden wir so schnell nicht vergessen.

Es war laut.

Nicht einfach nur ein bisschen unruhig, sondern konstant und ununterbrochen.

Autos kamen und gingen.

Motoren liefen.

Menschen unterhielten sich.

Und vor allem:

Diese eine Sache: Die Luftdruckstation. Sie war gefühlt im Dauereinsatz.

Ununterbrochen wurde Luft geprüft, nachgefüllt, wieder geprüft.

Die ganze Nacht.

Es gab keine einzige ruhige Stunde.

Am nächsten Morgen – die Lösung

Am nächsten Morgen war Jürgen wieder voll im Modus.

Noch einmal alles prüfen. Noch einmal von vorne denken.

Und tatsächlich: Die Ursache war am Ende… klein. Eine lockere Steckverbindung.

Ein taubstummer Marokkaner, Mitarbeiter der Tankstelle, der unbedingt helfen wollte, fand schließlich den Fehler.

Das war eine besondere Begegnung.

Ohne viele Worte, aber mit viel Einsatz.

Und am Ende lief der Bronco wieder.

Weiter geht’s – Richtung Ouzoud

Nach dieser ungeplanten Zwangspause ging es endlich weiter.

Auf halbem Weg zu den Ouzoud-Wasserfällen machten wir Halt bei Joachim und Saida auf der Agathe Farm und blieben dort zwei Nächte.

Hauptgebäude von Joachims und Saidas „The Agathe Farm"

🎥 Ein ganz besonderer Ort, zu dem es auch ein spannendes Interview mit Joachim gibt:

Mitten im Grünen, ruhig gelegen, umgeben von Natur.

Bronco auf dem riesigen Grundstück von „The Agathe Farm"

Joachim und Saida haben diesen Hof vor über 20 Jahren aufgebaut. Ein Lebensprojekt, das man sofort spürt, wenn man dort ankommt.

Über das große Grundstück verteilt stehen mehr als 1000 Bäume: Obstbäume, Olivenbäume und mehr.

Und überall: Steine.

Joachim ist leidenschaftlicher Achat-Sammler und Edelstein-Schleifer, und das sieht man seinem gesamten Anwesen an. Überall liegen besondere Fundstücke, und wer möchte, kann hier sogar Workshops besuchen und lernen, wie Edelsteine geschliffen werden.

Joachim erklärt sein Handwerk als Edelstein-Schleifer

Aktuell ist er außerdem dabei, ein kleines Museum aufzubauen.

Die ganze Farm trägt seine Handschrift: künstlerisch, individuell und mit unglaublich viel Liebe zum Detail gestaltet.

Ein Platz, an dem man gerne länger bleibt.

Der Weg zu den Wasserfällen

Nach diesen zwei Tagen ging es weiter.

Und der Weg zu den Ouzoud-Wasserfällen wurde noch einmal zu einem kleinen Abenteuer.

Die letzten etwa 60 Kilometer führen über eine traumhafte Passstraße.

Kurvig, abwechslungsreich, mit immer neuen Ausblicken.

Aussicht von der Passstraße nach Ouzoud

Eine Strecke, mit der wir so nicht gerechnet hatten und die die Anfahrt zu einem echten Erlebnis gemacht hat.

Ankommen in Ouzoud

Am Ende kamen wir in der Dämmerung an den Wasserfällen an.

Ein langer Tag, eine intensive Strecke, aber es hat sich gelohnt.

Schon der erste Eindruck war besonders.

Wasserfälle bei Nacht

Und wir wussten sofort: Hier bleiben wir ein bisschen.

Drei Tage Ouzoud

Aus einer kurzen Station wurden am Ende drei Nächte (Camping AMALOU).

Immer in Begleitung der friedvollen Straßenhunde

Wir nutzten die Zeit zum Arbeiten, aber auch, um die Umgebung zu erkunden.

Auch in Ouzoud gibt es frei lebende Berber-Affen

Berber-Affen in Ouzoud mit Nachwuchs

Das Wetter wurde von Tag zu Tag endlich besser.

Wärmer.

Sonniger.

Fast schon sommerlich.

Nach den kalten Tagen zuvor fühlte sich das an wie ein 🎥 kleiner Neustart.

Unterwegs im Canyon

Am zweiten Tag machten wir uns am Nachmittag auf den Weg zu den Wasserfällen.

Regenbogen an den Wasserfällen von Ouzoud

Jürgen vor den Ouzoud-Wasserfällen

Alex vor den Ouzoud-Wasserfällen

Die Landschaft ist beeindruckend: ein grüner Canyon, Wasser, Felsen, immer neue Perspektiven.

Alex in Wildblumen-Wiese. Davon gab es im April unzählig viele.

Jürgen auf Brücke während der Wanderung zur Höhle

Wir liefen immer weiter hinein, mit dem Ziel, eine große Höhle zu erreichen.

Doch kurz vor dem Ziel war Schluss.

Durch die starken Regenfälle war der Weg nicht mehr passierbar.

Also drehten wir um. Am Ende waren wir völlig erschöpft.

Zu heiß. Zu wenig Wasser.

Und wie so oft:

Zu spontan losgegangen.

Zum Glück gab es unterwegs kleine Bars und Restaurants, die uns mit Wasser versorgt haben.

Zurück nach Marrakesch

Am Freitag, den 17. April, brachen wir schließlich auf, zurück nach Marrakesch.

Rund 170 Kilometer lagen vor uns. Das bedeutete etwa drei Stunden Fahrt.

Im Vergleich zur Anreise zu den Wasserfällen war das fast schon entspannt.

Ein Klacks für den Bronco.

Und diesmal: Ohne Probleme.

Moment dieses Abschnitts

Diese Tage hatten alles.

Stadt. Stillstand. Natur. Krank sein. Weiterfahren.

Und am Ende genau dieses Gefühl: Dass sich alles irgendwie wieder fügt.

Und dass genau die Abschnitte, die nicht glatt laufen, die sind, die man am intensivsten erlebt.
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