Reisetagebuch – Kapitel 3: Ein stilles Stück Himmel

· Lesezeit: ~7–9 Min
Ankunft in Montouliers
Schon die Ankunft in Montouliers war ein kleiner Wow-Moment. Dieses winzige, wunderschöne Dörfchen, mit nicht einmal 300 Einwohnern, hätten wir ohne das Housesitting nie gefunden: friedlich, ruhig, umgeben von Olivenbäumen und Weinbergen, alles sauber und liebevoll gepflegt. Das Haus, früher wohl Teil eines Kastells, alt, aus Stein, mit kleinen Treppen und verschiedenen Ebenen, behutsam und geschmackvoll erneuert. Man spürt Geschichte unter den Füßen.

Das Dorf-Café als Wohnzimmer
Unser Mittelpunkt wurde schnell das kleine Café im Dorf. Morgens war es Bäckerei, Café und „Supermarkt“ in einem; abends verwandelte es sich in ein Restaurant, mit der besten selbst gemachten französischen Pizza ever, und Wohnzimmer der Dorfgemeinschaft. Wer dort saß, gehörte irgendwie dazu. Man nickte sich zu, man half sich, man kannte sich, und wenn nicht, dann eben fünf Minuten später.


Alltag mit Hestur, Bally und Bruma – und den Pferden Django und Fargo
Die Tage liefen ruhig und doch reich an Momenten. Hestur, die Hündin, zog ihre großen Kreise, war mal hunderte Meter weg und tauchte dann aus einer ganz anderen Richtung wieder auf, nie ohne uns im Blick zu behalten. Bally war unsere kleine Kommentatorin: Wenn wir zu den Pferden gingen (sie waren auf der Ranch, ca. einen Kilometer entfernt vom Haus), kam sie mit und miaute ununterbrochen, als würde sie mit uns reden. Bruma war die Leise, die viel sagt, ohne Laut zu geben und Hesturs beste Freundin. Die Pferde, Django und Fargo, auf der Ranch, zwei entspannte Gesellen, eher nebenbei Teil unseres Rhythmus.



Wir arbeiteten an unserem Projekt MilesMeetsMomennts, für unsere Kunden bei der KAUFKRAFT, am Bronco, kümmerten uns um die Tiere und erkundeten die Umgebung.
Ausflüge: Narbonne Plage, Narbonne, Minerve, Capestang und Carcassonne
Einen Tag am Wochenende nutzten wir um mit dem Auto (wir durften den Wagen von Jess und Jule nutzen, der für unsere Verhältnisse das Steuer auf der falschen Seite hatte) nach Narbonne zu fahren. Zunächst ging´s an den Strand. Es war herrlich. Allerdings war das Meer schon zu kalt zum Schwimmen.


Bevor es zurück nach Montouliers ging, schauten wir uns die historische Altstadt von Narbonne an. Sie ist ein wenig vom Meer entfernt. Die Strecke nach Narbonne war herrlich. Wir fuhren durch eine unglaublich schöne Landschaft.
In Capestang standen wir mit Steve und Loraine auf dem Markt, ließen uns treiben, quatschten, beobachteten das Kommen und Gehen auf dem Platz und verstanden, warum Menschen hier bleiben wollen. Der Canal du Midi führt direkt durch das Örtchen hindurch.
Minerve beeindruckte uns mit seinem Felsplateau, den Schluchten und den stillen, steinernen Gassen, ein Ort, der Geschichte nicht zeigt, sondern atmen lässt.
Und Carcassonne? Das fühlte sich an wie im gleichnamigen Spiel: Mauern, Türme, Wege – alles so gesetzt, dass man innerlich die Plättchen legen möchte.

Begegnung mit Jess und Jule
Kurz vor unserer Abreise lernten wir die Besitzer des Hauses, welches wir hüteten, kennen: Jess und Jule, zwei herzliche Engländer in unserem Alter. Wir hatten das Gefühl, sie schon länger zu kennen – vielleicht, weil ihr Haus so viel von ihnen erzählte.
Exkurs: Housesitting – Verantwortung auf Zeit
In Deutschland kennt man das Konzept des Housesittings noch kaum. Fast niemand öffnet Fremden sein Zuhause oder vertraut ihnen seine Tiere an, und ebenso wenige können sich vorstellen, selbst für eine Weile in einem fremden Haus zu leben, Verantwortung zu übernehmen und es wie das eigene zu hüten.
Dabei ist Housesitting eine wunderbare Möglichkeit, neue Orte, Menschen und Lebensweisen kennenzulernen, ohne Tourist zu sein. Man lebt mitten im Alltag anderer, wird Teil einer Umgebung, übernimmt Verantwortung und bekommt dafür ein Zuhause auf Zeit.
Dank Plattformen wie Trusted Housesitters (Affiliate Link) finden heute immer mehr Menschen zueinander: Diejenigen, die jemanden brauchen, der auf Haus und Tiere achtet – und diejenigen, die genau das gern tun, um die Welt auf eine andere, langsamere Weise zu entdecken.
Für uns ist Housesitting mehr als ein Arrangement. Es ist Vertrauen, Begegnung, und ein Tausch, der beiden Seiten etwas gibt: Sicherheit auf der einen und Sinn auf der anderen. Reisen ohne Hast, ein Ankommen ohne Besitz.
Wir werden in unserem Tagebuch noch öfters über unsere Housesitting Jobs berichten.
Fazit
Am Ende dieser Tage wussten wir: Montouliers ist keiner der Orte, die man sucht. Es ist einer von denen, die dich finden und dich sanft daran erinnern, wie gut es tut, einfach da zu sein. Schaut euch dazu gerne auch unser schönes 🎥 Video auf YouTube an.
Moment des Tages
Vielleicht braucht es gar keine großen Abenteuer – manchmal genügen ein Dorf-Café, ein paar vertraute Tiere und das Gefühl, kurz Teil von allem zu sein.