Reisetagebuch – Kapitel 29: Von Merzouga über Oasen und Atlas bis nach Fès

· Merzouga – Erfoud – Kunstwerke Hansjörg Voth – Goulmima – Achbaro – Mittlerer Atlas – Azrou – Ifrane – Fès
Aufbruch aus Merzouga
Mit dem Aufbruch aus Merzouga begann für uns ein neuer Abschnitt.
Die Tage in den Dünen lagen hinter uns, die Weite, der Sand, die Ruhe. Und vor uns lag der Weg nach Norden. Zurück in grünere Landschaften, in kühlere Regionen und langsam auch wieder in Richtung Stadt.
Erstmal wieder Werkstatt
Bevor wir uns wirklich auf den Weg machen konnten, stand noch ein letzter Pflichtstopp an: Erfoud – genauer gesagt die Werkstatt.
Nach den Tagen in der Wüste fuhr der Bronco alles andere als rund. Er ruckte ständig und zog nicht mehr richtig. Wir hatten gar kein gutes Gefühl und wollten den Bronco noch einmal durchchecken lassen. Also fuhren wir zur Royal Garage, wo erneut einige Verbindungen überprüft und Dinge nachjustiert wurden.
4x4-Werkstatt „Garage Royal"
Allrad wird repariert.
Jürgen mit Fan.
Anschließend verbrachten wir eine Nacht auf dem Camping Karla. Ein einfacher, aber guter Platz für einen Zwischenstopp und vor allem konnten wir dort in Ruhe ankommen und noch einmal richtig gut essen.
Beim Abendessen mit dem Camp-Besitzer.
Doch am nächsten Morgen meldete sich der Bronco wieder zu Wort: Die Check-Engine-Leuchte ging erneut an.
Also hieß es ein weiteres Mal: zurück zur Werkstatt, prüfen lassen, sicherstellen, dass alles passt und erst dann weiterfahren. Er fuhr danach besser, aber die Check Engine Leuchte meldete sich immer mal wieder. Das deutete darauf hin, dass irgendetwas immer noch nicht stimmte. Wir ignorierten es für den Moment.
Kunst mitten in der Wüste
Danach stand endlich ein Stopp an, auf den wir uns schon lange gefreut hatten: die Kunstwerke von Hansjörg Voth.
Mitten in der Wüste, fernab von allem, liegen sie dort: die Himmelstreppe, die Goldene Spirale und die Stadt des Orion. Monumentale Installationen aus Lehm und Stein, die sich gleichzeitig fremd und vollkommen selbstverständlich in die Landschaft einfügen.
Himmelstreppe
Stadt des Orion
Goldene Spirale
Diese Orte sind nur mit einem 4x4-Fahrzeug erreichbar. Das passte dann für uns.
Der Bronco hat uns hier zuverlässig hingebracht. Und wir standen dort, irgendwo im Nirgendwo, und hatten Zeit, diese besondere Atmosphäre auf uns wirken zu lassen.
Ein Moment zwischen Kunst, Natur und absoluter Stille.
Alex bei einem Dromedar-Skelett mitten „auf dem Weg"
Goulmima – ein Ort zum Bleiben
Unser nächstes Ziel war Goulmima.
Eigentlich nur als kurzer Zwischenstopp geplant, wurden daraus am Ende vier Nächte. Wir standen auf dem Camping Les Tamaris, einem liebevoll geführten Platz, der perfekt zu diesem ruhigen Ort passt.
Heute gab es Spaghetti Bolognese.
Goulmima hat uns sofort gefallen. Es ist eher ein ruhiger Ort und nicht spektakulär im ersten Moment. Aber genau darin liegt ihr Reiz.
Leben in der Oase
Ein echtes Highlight war eine geführte Tour mit Omar, einem ortsansässigen Fremdenführer. Er führte uns durch die Palmenoase und den alten Ksar.
Jürgen mit einem Blütenstand der männlichen Dattelpalme
Ohne Guide hätten wir vieles gar nicht verstanden und gesehen. Wir haben gelernt, wie man männliche und weibliche Palmen unterscheidet, wie das ausgeklügelte Bewässerungssystem funktioniert und wie hier seit Generationen Landwirtschaft betrieben wird. Wir waren auf den höchsten Dachterrassen im alten Ksar und ließen uns den Unterschied zwischen Ksar und Kasbah sowie Haustüren von jüdischen Familien und Berberfamilien erklären.
Alte Kasbah von Goulmima
Unser Guide Omar erklärt, warum manche Türen so bunt sind.
Tolles Konzert bei einer Familie, die im Ksar wohnt.
Zwischen den Palmen wächst Weizen, Wasser wird über kleine Kanäle verteilt – ein fein abgestimmtes System, das bis heute funktioniert.
Wir blieben länger als geplant.
Arbeiten, ankommen, einfach mal durchatmen.
Goulmima war einer dieser Orte, an denen nichts passieren muss. Genau das macht ihn besonders. Und am Ende gab´s noch einen kleinen Abstecher zu einer versteckten Quelle.
Quelle gefunden!
Hier kommt das Wasser aus der Erde.
Werkstattstopp in Zaida
Allerdings kamen wir nicht wirklich weit: In Zaida, kurz hinter Midelt, mussten wir erneut dem Bronco eine Verschnaufpause einräumen.
Das mußten wir jetzt auch mal sagen!
Dieses Mal, es war Ostersamstag, verbrachten wir sieben Stunden in der Werkstatt. Wir haben unsere Session in einem kurzen 🎥 Reel festgehalten. Es wurde alles auf den Kopf gestellt: Tank raus, gereinigt, neu beschichtet, Benzinpumpe ausgetauscht, ebenso der Benzinfilter. Bevor er dann wieder schnurrte wie eine Katze, mussten schließlich noch diverse Verbindungen gereinigt werden. Es war immer noch überall Sand aus der Wüste. Und das mochte unser altes Expeditionsmobil überhaupt nicht.
Werkstatt Méchanique Diagnostic in Zaida
Ausgebauter Tank
Benzin wird in Kanister umgefüllt.
Frisch gereinigter, neu lackierter Tank.
Dann wird das Benzin wieder eingefüllt.
Da waren noch einige versandete Verbindungen im Motorraum.
Nach sieben Stunden harter Arbeit endlich geschafft!
Das Gute an diesem Stopp war, dass wir zwei Nächte freistehend neben einer alten Mine verbrachten. Ganz alleine: nur Jürgen, ich und der Bronco.
Es war ein wunderschönes Erlebnis, mitten im Nichts, ohne jedwede Geräusche zu übernachten. Schaut selber mal unseren 🎥 „Best Spot ever".
Unser Stellplatz ganz für uns alleine.
Blick auf den verschneiten Atlas, genauer gesagt den Jbel Ayachi, 3.747 Meter hoch.
Tolle Stimmung beim Sundowner.
Ohne Worte.
Achbaro – ein besonderer Zwischenstopp
Dann ging es weiter gen Norden.
Nach den Tagen in Goulmima und den beiden Freisteh-Nächten in Zaida landeten wir fast zufällig in der nächsten Oase bei der Auberge Luna del Fuego in Achbaro.

Unsere Gastgeber. So nett!
Verlassenes Dorf in Palmeraie.
Schon bei der Ankunft waren wir begeistert. Die Auberge liegt erhöht und bietet einen unglaublichen Blick auf die Oase und auf ein altes, verlassenes Dorf auf der anderen Seite des Flusses.
Früher konnte man den Fluss über eine Brücke überqueren. Doch diese wurde irgendwann durch starke Regenfälle zerstört.
Heute kommt man nur noch zu Fuß hinüber.
Wir haben zunächst die Einheimischen beobachtet, wie sie den Fluss durchqueren und uns dann selbst getraut.
Schuhe aus, Hose hoch und durch das Wasser.
Auf der anderen Seite erwartete uns eine kleine Wanderung durch das verlassene Dorf. Ein einheimischer Junge schloss sich uns an und zeigte uns ein Stück seiner Welt. Verständigt haben wir uns kaum, aber das brauchte es auch nicht.
Es war ein wunderschöner, ruhiger Ausflug. In diesem 🎥 Reel gibt es ein paar Impressionen dazu.
Die Auberge selbst war ebenfalls ein besonderer Ort. Es war viel los, auch einige deutsche Urlauber waren dort, und die Stimmung war lebendig und herzlich.
Am Abend wurden wir hervorragend bekocht und haben die Gastfreundschaft in vollen Zügen genossen.
Über den Mittleren Atlas
Am nächsten Tag ging es weiter. Unser Ziel war es, wieder ein Stück Strecke Richtung Fès zu machen.
Denn Mitte April wollten wir zurück in Marrakesch sein, um dort für ein paar Tage auf Aishas kleines Hotel und ihren Reisemobil-Stellplatz aufzupassen.
Unsere Route führte uns über den Mittleren Atlas.
Und plötzlich änderte sich die Landschaft komplett.
Es wurde kühler. Grüner. Und dann waren dort tatsächlich noch Schnee-Reste.
Der Frühling kommt!
Und doch hält sich der Schnee noch!
Unvergessliche Wanderung.
So viele Steine.
Geschafft!
Wir konnten nicht anders, als anzuhalten und ein Stück zu wandern. Einfach, um den Schnee zu berühren und diesen Moment bewusst wahrzunehmen.
Schnee in Marokko? Genau, das gibt es hier.
Die Natur dort oben hat uns unglaublich gut gefallen.
Azrou und Ifrane: kleine Ausflüge
Weiter ging es in Richtung Azrou und Ifrane.
Auf dem Weg dorthin machten wir eine kleine Pause. Wie der Zufall es wollte, pausierten wir genau dort, wo die Berberaffen zuhause sind. Sie leben hier frei in der wunderschönen Natur, mit Zedernwäldern.
Berberaffen-Familie. Davon gab´s hier einige.
Hier noch das passende 🎥 Affen-Reel.
Jürgens Freunde!
Zwischen diesen beiden Orten fanden wir einen Campingplatz (Camping Amazigh) mitten in der Natur, auf dem wir schließlich vier Tage blieben.
Eine perfekte Mischung aus Arbeiten und Erkunden.
Nach Azrou sind wir zu Fuß gegangen: ein schöner Weg und eine gute Gelegenheit, die Umgebung intensiver wahrzunehmen.
Kurz vor dem großen Gewitter auf dem Fußweg nach Azrou.
Nach Ifrane wurden wir spontan von einem freundlichen Marokkaner mitgenommen, der sogar Deutsch sprach. Solche Begegnungen passieren hier ganz selbstverständlich. Ifrane ist auch bekannt als die „Marokkanische Schweiz“. Es ist unglaublich, wie sehr dort nicht nur die Landschaft, sondern auch die Häuser an die Schweiz erinnern.
Ifrane sieht gar nicht aus wie Marokko.
Zurück ging es dann mit dem Taxi.
Man merkt schnell: Man kommt hier immer irgendwie von A nach B. Und oft sind es genau diese spontanen Wege, auf denen die schönsten Begegnungen entstehen.
Und dann sind wir noch zur Ziegenkäserei spaziert. Wir kauften dort frischen Ziegenkäse, Ziegenjoghurt und eine fantastische Feigenmarmelade. Für uns war das das beste Essen seit Monaten.
Weiter Richtung Fès
Am 9. April machten wir uns schließlich auf den Weg Richtung Fès.
Ein weiterer Abschnitt unserer Reise beginnt.
Wieder mehr Stadt. Mehr Trubel. Mehr Leben.
Und gleichzeitig das Gefühl, dass wir in den letzten Tagen noch einmal ganz unterschiedliche Facetten Marokkos erlebt haben.
Moment dieses Abschnitts
Diese Etappe war voller Kontraste.
Von der Wüste in die Oasen. Von Palmen zu Schnee. Von völliger Ruhe zu neuen Begegnungen.
Und vielleicht ist genau das das Besondere an dieser Reise:
Dass man nie genau weiß, was als Nächstes kommt, aber immer wieder Orte findet, die sich genau richtig anfühlen.
Was wir aus dieser Etappe mitnehmen
Diese Tage zwischen Wüste, Oasen und Atlas zeigen sehr deutlich, wie unser Projekt funktioniert.
Viele Dinge lassen sich nicht planen. Werkstattaufenthalte, Begegnungen oder Orte wie Goulmima entstehen unterwegs. Genau darin liegt der Wert.
Wir erleben Märkte nicht aus der Distanz, sondern direkt vor Ort. Wir sehen, wie Menschen leben, arbeiten und Entscheidungen treffen. Und wir können diese Eindrücke festhalten.
Für Unternehmen bedeutet das Zugang zu echten Situationen statt inszenierter Kampagnen.
Produkte, Dienstleistungen oder Ideen lassen sich dort zeigen, wo sie wirklich bestehen müssen. Unterwegs, im Alltag, in unterschiedlichen Umfeldern.
Das ist nicht immer perfekt. Aber genau deshalb glaubwürdig.
Diese Reise verbindet Inhalte mit echten Erfahrungen. Und genau daraus entsteht eine Form von Sichtbarkeit, die bleibt.
Häufige Fragen zu dieser Etappe
Wie zuverlässig ist Reisen mit einem älteren Fahrzeug in Marokko
Es funktioniert gut, wenn man flexibel bleibt. Werkstattstopps gehören dazu. Gleichzeitig gibt es in vielen Orten Mechaniker, die schnell helfen können.
Kann man in Marokko frei stehen
Ja, in vielen Regionen ist das möglich. Besonders außerhalb der Städte findet man ruhige Plätze. Wichtig ist ein respektvoller Umgang mit der Umgebung und den Menschen vor Ort.
Wie erlebt man Orte wie Goulmima am besten
Mit Zeit. Viele Orte wirken unscheinbar, zeigen aber ihre Qualität erst, wenn man bleibt und sich darauf einlässt.
Ist der Mittlere Atlas wirklich so unterschiedlich zur Wüste
Ja. Innerhalb weniger Stunden verändert sich die Landschaft komplett. Von Sand und Hitze zu Grün und sogar Schnee.
Warum sind solche Etappen für euer Projekt wichtig
Weil genau hier echte Geschichten entstehen. Situationen, die man nicht planen kann, aber die zeigen, wie das Leben und Arbeiten unterwegs wirklich aussieht.