Reisetagebuch – Kapitel 26: Zwischen Atlas, Alaaf und Wiedersehen

· Marrakesch – Köln – zurück nach Marrakesch – Tizi n’Test – Taroudant – Agadir – Paradise Valley
Bevor ihr mit dem Lesen dieses Kapitels beginnt, möchten wir euch unser kreatives Musikvideo mit Bildern aus Marrakesch ans Herz legen. Die Musik darin haben wir – genau wie das gesamte Video – selbst komponiert und produziert. Es eignet sich wunderbar als Hintergrundmusik beim Lesen dieses Kapitels oder einfach zum Zurücklehnen und Genießen.
Seit dem 12. Februar steht der Bronco bei Familie Schatz
Seit dem 12. Februar steht der Bronco auf dem Grundstück von Familie Schatz. Sie betreiben ein kleines Schlosshotel und haben Platz für über 30 Camper. Ein seltsames Gefühl, ihn einfach dort zu lassen, als würden wir einen Teil unserer Reise kurz parken, wissend, dass wir zurückkommen.


Abflug mit Hindernissen: Flug von Marrakesch nach Köln
Am 14. Februar, Karnevalssamstag, ging es für uns zurück nach Köln. Vom 🎥 Flughafen in Marrakesch starteten wir Richtung Heimat, wo uns eine Woche voller Termine, Familie und Karneval erwartete.
Doch bevor wir überhaupt im Flugzeug saßen, wurde es am Flughafen noch einmal richtig spannend.
Zoll, Reisepass und der Bronco in Marokko
Da unser Bronco während unserer Abwesenheit weiterhin in Marokko bleiben sollte, mussten wir das Fahrzeug beim Zoll registrieren lassen. Also machten wir uns rechtzeitig vor dem Abflug auf die Suche nach der zuständigen Stelle.
Nach einigem Fragen fanden wir tatsächlich ein Büro, erklärten unsere Situation und bekamen eine Bescheinigung ausgestellt. Für uns war damit alles erledigt – dachten wir.
Mit dem Papier in der Hand stellten wir uns in die lange Schlange vor der Passkontrolle. Jürgen ging nichts ahnend bereits vor mir durch, während ich noch wartete.
Die fehlende Bestätigung am Flughafen Marrakesch
Als ich selbst an der Reihe war, fiel einem Beamten jedoch auf, dass noch etwas fehlte. Die Bescheinigung war zwar richtig, aber nicht vollständig. Es gab noch eine weitere Zollstelle am Flughafen Marrakesch, die den Vorgang offiziell bestätigen musste.
Und genau diese befand sich vor der Passkontrolle.
Also wieder zurück.
Während die Zeit immer knapper wurde, kämpfte ich mich durch den Flughafen zurück zum Zollschalter. Dort stellte sich heraus, was tatsächlich fehlte: Der entscheidende Eintrag musste direkt in den Reisepass eingetragen werden. Erst damit war offiziell dokumentiert, dass unser Fahrzeug weiterhin im Land bleibt.
Endspurt zum Gate
Als der Stempel endlich im Pass war, begann der eigentliche Endspurt.
Ich war allein unterwegs, ohne Geld, ohne Zeitpuffer und mit der leisen Sorge, den Flug gleich zu verpassen.
Also ging es im Laufschritt weiter: durch die Passkontrolle und quer durch den Flughafen Richtung Gate.
Ich erreichte es tatsächlich nur wenige Minuten vor dem Boarding-Ende. Kurz darauf saß ich völlig außer Atem im Flugzeug, während Jürgen mich nur grinsend ansah.
Der Bronco war offiziell angemeldet. Und ich hatte den Flug gerade noch erwischt. All das, und noch mehr, haben wir auch in unserem 🎥 Karnevals-Video festgehalten.
Von der Wüste ins Alaaf
Kaum waren wir in unserer Heimat Köln angekommen, tauchten wir in eine völlig andere Welt ein.
Schull- und Veedelszöch am Sonntag. Rosenmontagszug am Montag.



Kamelle, Kostüme, Konfetti und Bratwurst mit Brötchen für 6 Euro: die Preise waren schier explodiert.



Von Wüstensand zu Straßenkarneval in wenigen Stunden. Dieser Kontrast hätte größer kaum sein können.
Wir nutzten die Woche intensiv: Geschäftstermine, persönliche Treffen mit Partnern, Gespräche von Angesicht zu Angesicht statt über Zoom. Familie sehen. Freunde umarmen.

Und trotzdem merkten wir: Unser Kopf war noch unterwegs.
Am 22. Februar, spät abends, saßen wir wieder im Flieger Richtung Marrakesch, zusammen mit unserer Freundin Biggi, die uns für eine Woche in Marokko besuchen würde.

Es fühlte sich ein bisschen wie Heimkommen an.
Ein Fahrer, drei Jungs und eine kleine Verbindung
Bevor wir nach Deutschland geflogen waren, hatten wir in Marrakesch noch einen besonderen Menschen kennengelernt: Amine, ein Taxifahrer aus Niger, Vater von drei kleinen Jungs. Warmherzig, offen, mit einem ehrlichen Lächeln.
Er brachte uns mehrmals vom Campingplatz bei Familie Schatz nach Marrakesch und schließlich auch zum Flughafen. Aus einer Fahrt wurden Gespräche. Aus Gesprächen entstand so etwas wie eine kleine Verbindung.
Manchmal trifft man Menschen nur kurz, und trotzdem bleiben sie im Herzen hängen.
Es war schön zu wissen, dass wir auch bei unserer Rückkehr wieder vertraute Gesichter sehen würden.
Zurück – und diesmal nicht allein
Unsere Freundin Biggi begleitete uns für eine Woche.
Wir verbrachten zwei Nächte im Riad Les Soleils de Bahia in Marrakesch. Eine kleine Oase mitten im Trubel.

Wir wollten ihr natürlich etwas von der Stadt zeigen – von den Farben, den Geräuschen und der Energie.
Zwischen Arbeitszeiten und Stadtbummel fanden wir einen guten Rhythmus.
Wir machten sogar eine Kutschfahrt durch Marrakesch. Ja, sehr touristisch, aber gleichzeitig eine wunderbare Möglichkeit, noch einmal neue Perspektiven auf die Stadt zu bekommen. Man sieht Details, die man zu Fuß übersieht.


Es war schön, diese Stadt durch ihre Augen neu zu erleben. Das Foto oben zeigt übrigens einen Pop-Up-Store des Künstlers Hassan Hajjaj aus Marrakesh: Boutique, Café und Concept-Store in einem: Jajjah. Mehr dazu gibt´s auch in unserem 🎥 Short und noch ein wenig mehr zu Marrakesh findet ihr 🎥 hier.
Zurück bei Familie Schatz
Nach den Tagen im Riad ging es wieder zurück zum Campingplatz bei Familie Schatz. Vertrautes Umfeld, Ruhe und Struktur.
Wir verbrachten noch ein paar gemeinsame Tage dort, arbeiteten, erzählten und planten.
Dann begann der nächste Abschnitt unserer gemeinsamen Reise, diesmal mit einem Mietwagen.
Der Plan: Wir bringen Biggi nach Agadir zum Flughafen und fahren gemeinsam über das Atlasgebirge über den Tizi n’Test-Pass.
Über den Tizi n’Test – ein Pass im Umbau
Der Weg über den Pass wurde zu einem echten, teils waghalsigen, Abenteuer.

Die Straße war teilweise frisch asphaltiert, dann wieder kilometerlang nur Schotter. Manchmal einspurig, manchmal voller Felsbrocken.
All das waren noch die Ergebnisse des Erdbebens in 2023, welches insbesondere die Region des Hohen Atlas stark getroffen hatte.


Rechts ging es steil hinunter ins Tal, links ragten die Felsen hoch. Immer wieder lösten sich kleine Steine aus den Hängen.
Der Pass war spektakulär und stellenweise wirklich richtig gefährlich. Kurve für Kurve arbeiteten wir uns voran. Hierzu gibt es auch ein kleines 🎥 YouTube-Short.

Als wir schließlich am Abend in Taroudant ankamen, waren wir ehrlich gesagt ziemlich erleichtert.
Taroudant – Mauern und Durchatmen
Taroudant empfing uns mit seiner mächtigen Stadtmauer und einer ruhigen Atmosphäre.
Nach dem Adrenalin des Passes fühlte sich die Stadt fast wie eine Belohnung an.
Wir bezogen ein sehr charmantes Riad, das Riad Tafilag, erkundeten am nächsten Tag die Souks und genossen das entspannte marokkanische Stadtleben. Im Vergleich zu Marrakesch gibt es in Taroudant kaum Touristen. Hier konnte Biggi dann auch das richtige Marokko etwas besser kennenlernen.

Eine letzte Nacht in Agadir
Von Taroudant ging es weiter Richtung Atlantik. In Agadir verbrachten wir eine letzte Nacht zusammen mit Biggi.
Vorher zeigten wir ihr noch Taghazout, den kleinen Surferort nördlich von Agadir. Doch spontan ein Zimmer zu einem vernünftigen Preis zu finden, war gar nicht so einfach.
Schließlich landeten wir im Zephyr, einem modernen Hotel in einem Business-Viertel von Agadir, nicht weit vom Meer entfernt.
Nach dem langen Tag waren wir allerdings ziemlich müde. Wir gingen kurz etwas essen und fielen danach schnell ins Bett.
Abschied und Rückweg
Am nächsten Morgen brachten wir Biggi nach einem gemeinsamen Spaziergang am Strand zum Flughafen von Agadir. Eine Woche war unglaublich schnell vergangen. Es war für uns sehr schön, dass wir auch auf unserer Reise Besuch bekamen. Danke Biggi!
Danach machten wir uns auf den Rückweg Richtung Marrakesch, über die N11 am Paradise Valley entlang.
Genau diese Strecke hatten wir schon einmal mit dem Bronco fahren wollen, mussten damals jedoch wegen der Probleme mit dem Auto umdrehen (siehe Kapitel 25).
Jetzt konnten wir die kurvenreiche Straße entspannt genießen: fantastische Ausblicke, weite Täler und eine Strecke, die trotz vieler Kurven angenehm zu fahren war.
Am Samstag, den 28., kamen wir schließlich abends um 21:30 Uhr wieder beim Campingplatz bei Familie Schatz an und freuten uns riesig darauf, unseren Bronco wiederzusehen.
Moment dieses Abschnitts
Dieser Abschnitt fühlte sich an wie ein Perspektivwechsel.
Von Wüstensand zu Konfetti. Von Werkstatt zu Veedelszug. Von Sternenhimmel zu Straßenlaternen.
Und trotzdem blieb der rote Faden derselbe: Begegnungen.
Ein Taxifahrer aus Niger. Familie in Köln. Freunde im Karneval. Biggi in Marrakesch.
Vielleicht ist Heimat kein Ort, sondern die Fähigkeit, zwischen all diesen Welten zu wechseln – und sich trotzdem überall ein kleines Stück zuhause zu fühlen.