Reisetagebuch – Kapitel 25: Von El Aaiún bis Marrakesch – Wüste, Werkstatt und Sternenhimmel

· El Aaiún – Tarfaya – Akhfenir – Agadir – Paradise Valley – Richtung Marrakesch
Mit dem Aufbruch aus El Aaiún begann spürbar die Rückreise
Mit dem Aufbruch aus El Aaiún begann spürbar die Rückreise. Nicht abrupt, nicht endgültig, aber bewusst. Der Süden lag hinter uns. Vor uns lagen fast 1.000 Kilometer bis Marrakesch. Und von dort würde es bald für eine Woche zurück nach Deutschland gehen.
Tarfaya – Saint-Exupéry und ein Hauch von Melancholie
Auf dem Rückweg von El Aaiún hielten wir in Tarfaya. Ein kleiner, ruhiger Ort mit großer Geschichte.
Hier lebte Antoine de Saint-Exupéry in den 1920er-Jahren, als er für die Aéropostale arbeitete und Postflüge zwischen Europa und Afrika begleitete. Seine Zeit hier, in dieser Einsamkeit, mit Wind, Weite und Ozean, soll ihn stark geprägt haben. Viele sagen, dass genau diese Landschaft später Einfluss auf „Der kleine Prinz“ hatte.
Heute erinnert ein kleines Saint-Exupéry-Museum an ihn, ein stiller Ort mit viel Atmosphäre.



Hier geht es zum kurzen 🎥 Reel zum Museum.
Direkt daneben: ein verlassener Gebäudekomplex. Eine große Ruine, vermutlich einst ein Hotel. Mit einem alten Kino. Mit offenen Fenstern, bröckelnden Wänden, Sand, der sich seinen Weg zurückerobert. Ein Lost Place mitten am Atlantik. Zerfall und trotzdem Schönheit.


Vor der Küste liegt außerdem die Casa del Mar, eine ehemalige spanische Festung aus dem 19. Jahrhundert. Sie thront auf einer kleinen Insel im Meer und wirkt wie aus einer anderen Zeit. Ein bisschen surreal. Ein bisschen wie eine Filmkulisse.

Wir verbrachten dort ein paar Stündchen. Tarfaya haben wir als eine ruhige Stadt empfunden.
Sand, Stolz und eine kleine Lektion
Die Landschaft auf dem weiteren Weg war beeindruckend. Noch einmal Dünen, noch einmal Weite.
Wir hielten für eine kleine Fotosession mit dem Bronco. Jürgen hatte dann die spontane Idee, noch schnell eine kleine Sanddüne „mitzunehmen“.
Ohne Luftdruck zu reduzieren, fährt man nicht einfach über Sanddünen. Selbst kleine nicht. Und so steckte der Bronco fest.

Also: aussteigen, schaufeln und ruhig bleiben, was mir in dem Moment nicht einfach fiel. Wieder einmal eine Lektion in Demut gegenüber der Natur. Danach ging es weiter.
Akhfenir – Atlantik mit Nebenwirkungen
Bis Agadir war es uns an diesem Tag zu weit. Also machten wir spontan Halt in Akhfenir. Freistehend. Direkt am Meer.
Akhfenir ist eher ein Durchgangsort. Der Vorteil: es gibt viele kleine Restaurants entlang der Hauptstraße und 🎥 Dromedarfleisch.

Ein wunderschöner Spot. Mit dem kleinen Nachteil, dass Atlantiknächte alles andere als leise sind. Wind, Brandung, Rauschen. Während Jürgen schlief, war ich wach. Aber der Sonnenaufgang machte vieles wett.

Agadir – Arbeiten im Grünen
Inzwischen war es der 7. Februar. Wir entschieden uns bewusst gegen einen zentralen Platz in Agadir und fuhren etwas außerhalb auf den Camping Aourir.


Eine gute Entscheidung. Ruhig, grün, genau richtig zum Arbeiten.
Hier konnte ich 🎥 endlich mal wieder joggen, genoss die Natur und die Weite. Wir arbeiteten konzentriert, sortierten Projekte und sammelten Energie für die nächste Etappe.

Einmal machten wir auch einen kurzen 🎥 After Work Ausflug nach Taghazout.

Paradise Valley – und dann wieder Realität
Paradise Valley: eine wunderschöne Flusslandschaft zwischen Bergen. Das Flussbett weitgehend trocken, an manchen Stellen noch Wasser. Felsen, Licht, Weite.
Wir wanderten durch das Tal. 🎥 Es war fantastisch.



Nach der Wanderung mußten wir noch Tanken. Da die nächste Tankstelle entweder in Agadir, oder erst am anderen Ende der Paßstraße gewesen wäre, entschieden wir uns für „Tankstelle Campground": hier bekamen wir Nachschub aus Kanistern...

Der Plan war klar: Danach direkt weiter Richtung Marrakesch – über den Pass.
Doch kaum waren wir unterwegs, merkten wir: Der Bronco wollte nicht.
Die Strecke durch die Berge wäre lang gewesen. Keine Tankstellen, keine Orte. Also entschieden wir schnell: Zurück nach Agadir. Gut, dass wir hier auf unser Bauchgefühl vertraut hatten. Die lange Strecke über die Berge hätte der Bronco tatsächlich nicht geschafft.
Es fehlte Kühlwasser. Zündkabel waren durchgeschmort. Kein Wunder, dass der Wagen kämpfte.
Die Mechaniker arbeiteten schnell. Gegen 17 Uhr waren wir dort und wurden fast erwartet. Alles wurde repariert. Hier gibt´s ein 🎥 YouTube Short dazu.

Trotz einsetzender Dunkelheit entschieden wir uns, Richtung Marrakesch aufzubrechen. Über die Autobahn.
Autobahn, Dunkelheit und Check Engine
Auf der Autobahn gab es wieder einen Ruck. Check Engine. Stockdunkel. Keine Ausfahrt. 70 Kilometer Anspannung.
Irgendwann schafften wir es endlich von der Autobahn runter und fanden direkt neben der Straße eine freie Fläche, unseren Nachtplatz.

Der Sternenhimmel war unfassbar. Am nächsten Morgen wachten wir auf, mit Blick auf das Atlasgebirge. Schneebedeckte Gipfel im Morgenlicht.

Manchmal entstehen die schönsten Orte aus den stressigsten Momenten.
Morgenreparatur und Weiterfahrt
Ich hatte morgens Zoom-Meetings. Jürgen überprüfte in der Zwischenzeit das Auto.
Die Werkstatt hatte ein Kabel vertauscht. Ein weiteres Zündkabel war wieder durchgeschmort. Jürgen reparierte alles selbst.
Und dann lief der Bronco.
Wir fuhren weiter und steuerten den Campingplatz „Marokko Reisen – Familie Schatz“ an.
Eine gute Entscheidung. Doch was wir dort erlebten, gehört ins nächste Kapitel.
Moment dieses Abschnitts
Dieser Abschnitt war kein Reisehighlight im klassischen Sinn. Er war ein Wechselbad.
Zwischen literarischer Geschichte in Tarfaya, festgefahrenem Stolz im Sand, durchgeschmorten Kabeln und einem Sternenhimmel, der alles relativierte.
Und manchmal sind es gerade die Pannen, die uns zu den schönsten Aussichten führen.