Alex und Jürgen in hohen Sanddünen in der Sahara bei Sonnenuntergang

Reisetagebuch – Kapitel 18: Erg Chigaga Abenteuer und Silvester in Zagora

afrika bronco marokko milesmeetsmoments panne reisetagebuch weltreise
Reisetagebuch › Kapitel 18

Erg Chigaga: Sand, Stille und das Gefühl, mitten im Stockfoto zu stehen – nur eben echt.

· Lesezeit: ~12–16 Min

Ein Ausflug tief hinein in die Sahara

Dieses Kapitel widmen wir ganz unserem Weg nach Erg Chigaga, tief hinein in die Sahara. Ein Abenteuer, das wir so schnell nicht vergessen werden.

Am 28. Dezember brachen wir auf. Die Nacht vom 28. auf den 29. verbrachten wir mitten in der Wüste in einem Wüstencamp.

Die Anreise war spektakulär und genau deshalb nichts, was wir alleine machen wollten. Der Bronco und seine bekannten Macken, unsere fehlende Ortskenntnis und die schiere Weite der Wüste machten schnell klar: Ganz alleine wäre keine gute Idee gewesen.

Also nahmen wir Brahims Angebot an, mit ihm und einem Fahrer zu fahren: zwei Fahrzeuge und zwei Ortsansässige mit Offroad-Erfahrung. Brahim ist übrigens der Besitzer der Serenity Lodge, wo wir die Tage über Weihnachten verbrachten (Kapitel 17). Wir folgten ihnen – ein gutes Gefühl, nicht allein unterwegs zu sein.

Von Asphalt zu Sand

Zunächst ging es noch ganz entspannt über die Straße, etwa 70 Kilometer, bis wir schließlich von der normalen Route abbogen und die Wüste begann.

Auf dem Weg machten wir noch zwei Stopps, um Vorräte einzukaufen. Der erste war… sagen wir: ungewöhnlich. Ein Metzger, wie man ihn so wohl nur hier findet. Und ja, neben Rindfleisch für Spieße kauften wir Rinderhoden. Ich habe davon nichts probiert. Für mich fällt das in die Kategorie Seeigel und Austern – nein danke. Jürgen hingegen war mutig. 

Danach noch Brot, Tee – und dann ging es endgültig hinein in die Steppe.

Mittagspause mitten im Nichts

Irgendwo mitten im Nirgendwo hielten wir an. Kein Gebäude, kein Schatten, stattdesssen Weite.

Die Männer machten ein Feuer, grillten Fleischspieße und auch die berühmten Hoden. Wir saßen dort bestimmt eine Stunde. Und wieder wurde klar: Man braucht wirklich nicht viel, um glücklich zu sein.

Begegnungen unterwegs

Bei der Weiterfahrt begegneten uns Tiere, die wir so nah nie erwartet hätten. Zwei Strauße kamen neugierig auf uns zu. Sie waren zutraulich und offensichtlich hungrig. Einer bekam eine Mandarine. Und es war faszinierend zu sehen, wie man förmlich beobachten konnte, wie die Mandarine den langen Hals hinunterwanderte.

Wenig später sahen wir ein totes Dromedar – ein stiller, nachdenklicher Moment in dieser sonst so lebendigen Landschaft.

Ankunft in Erg Chigaga

Gegen 15 Uhr erreichten wir das Camp. Was uns dort erwartete, war schlicht überwältigend: diese riesigen Sanddünen, genau die, die man sonst nur von Stockfotos kennt. Und plötzlich standen wir mitten drin.

Wir gingen direkt zu Fuß los, liefen in die Dünen, holten die Sandboards heraus und rutschten hinunter. Ein Riesenspaß.

Dromedare, Sonnenuntergang und Wüstenmagie

Später schlossen wir uns einer Dromedarkarawane an. Gemeinsam zogen wir durch die Sandwüste, bis wir den perfekten Platz für den Sonnenuntergang erreichten.

Dieser Moment, die Farben, die Stille, die Weite, war unvergesslich. Und Teil unseres Weihnachtsgeschenks an uns selbst.

Abends saßen wir am Feuer. Es wurde Musik gemacht, getrommelt, Jürgen sogar mittendrin. Ein warmer, gemeinsamer Abend unter einem klaren Wüstenhimmel.

Eine kalte Nacht im Zelt

Wir entschieden uns, im Zelt zu übernachten. Auch das wollten wir erleben.

Was wir unterschätzt hatten: die Kälte. Es war eisig. Wirklich eisig. Im Bronco hätten wir unsere Heizung gehabt, aber hier draußen hätten wir vermutlich ohnehin keinen Strom mehr gehabt. Das Solarpanel hatte am Nachmittag nicht genug geliefert.

Also Zelt, Decken, zusammenrücken und durchhalten.

Am nächsten Morgen machten wir noch ein paar schöne Fotos von Camp und Umgebung. Unglaublich, wie toll die Farben in der Wüste sind.

Klappern im Sand

Schon während der Anreise hatte mich etwas nervös gemacht: Der Bronco klapperte ständig. Ich sah, wie sich die Kabine bewegte, was technisch völlig normal ist. Wäre sie starr, würde das Auto auf solchen Strecken schlicht brechen. Aber trotzdem: mein Kopfkino lief auf Hochtouren.

Abends räumten wir das Auto komplett aus, suchten nach der Ursache. Unsere Vermutung: irgendetwas im Innenraum, das gegen die Wand schlug. Gefunden haben wir nichts.

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück rollten wir vielleicht 100 Meter, fuhren über die erste Sanddüne: und das Klackern war immer noch da. Also ging es wieder zurück. Noch einmal alles prüfen. Unsere beiden Begleiter ließen wir schon weiter fahren. Sie sagten, dass wir den Weg zurück schon finden werden. Wir fühlten uns mittlerweile etwas vertrauter mit dem Terrain und fanden das so auch in Ordnung.

Schließlich reduzierten wir den Reifenluftdruck, in der Hoffnung, dass genau das die Lösung ist. 

Rückweg durch die Steinwüste

Das Reduzieren des Reifendrucks war tatsächlich die Lösung. Danke an Martin (dem Vorbesitzer unseres Autos) für den Tipp! Ganz verschwunden war das Klappern zwar nicht. Hin und wieder gab es noch ein dumpfes Geräusch. Aber es fühlte sich plötzlich richtig an. Vor allem fühlte ich mich wieder sicher.

Wir machten uns auf den Rückweg – diesmal dann alleine, ohne Begleitfahrzeug. Und dieser Rückweg hatte es in sich.

Statt Sand ging es nun durch die Steinwüste. Etwa 40 Kilometer über kleine, harte Steine. Kein richtiger Weg, keine Spur, nur Geröll. Mehr als 15 km/h waren kaum möglich. Was auf der Karte kurz aussah, zog sich endlos. Wir waren fast drei Stunden unterwegs – immer konzentriert, immer wachsam.

Danach fühlte sich alles andere plötzlich leicht an. Noch etwa 90 Kilometer über ganz normale Straße, und wir waren zurück in Zagora.

Impressionen zu unserer Reise in die Erg Chigaga gibt es auch auf Insta und YouTube:

 🎥 Our day in Sahara, 🎥 Our adventurous journey through Erg Chigaga, 🎥 Lost in Sahara, 🎥 YouTube Kamelritt. Schaut mal rein. Wir haben tolle Bilder für euch festgehalten. 

Zurück in der Werkstatt – zur Sicherheit

Zurück in Zagora entschieden wir uns, noch einmal direkt in die Werkstatt zu fahren. Ein kurzer Check nach der Wüstentour, einfach, um sicherzugehen, dass alles heil geblieben war.

Die Mechaniker gingen den Bronco gründlich durch, kontrollierten alles, wuschen sogar den Luftfilter aus. Ergebnis: nichts kaputt und wir trafen sogar noch Philipp von Van Stories. Er schenkte uns diese tollen Abdeckungen, die perfekt auf unsere Plastikdeckel passen.

Zum Schluss ließen wir den Bronco noch komplett waschen. Nach all dem Sand und Staub war das dringend nötig. Kosten für Kontrolle und Wäsche: umgerechnet 10 Euro. Mehr als fair. Und jeden Cent wert.

Silvester in Zagora

Dann stand plötzlich Silvester vor der Tür. Wir überlegten hin und her: weiterfahren oder bleiben? Am Ende entschieden wir uns fürs Bleiben. Der Campground Oasis Palmier war liebevoll gemacht und ruhig – einer unserer Lieblingsplätze auf unserer bisherigen Tour durch Marokko.

Der Silvesterabend selbst war… sagen wir: speziell. Wir saßen in einem eher ungemütlichen, kalten Restaurant mit Neonlicht, zusammen mit anderen, fast ausschließlich deutschen Touristen. Aber es war trotzdem nett. Man kam ins Gespräch, lachte, erzählte Geschichten.

Es gab unglaublich viel Essen. Gang nach Gang. Wir wurden schnell satt. Und ehrlich gesagt auch müde.

Später saßen wir noch draußen am Feuer. Eine marokkanische Musikgruppe spielte, Trommeln, Gesang. Es war ein schöner, warmer Moment in der kühlen Nacht.

Eigentlich wollten wir noch bis Mitternacht wach bleiben. Geschafft haben wir es nicht. Irgendwann, gegen elf, halb zwölf, sind wir einfach eingeschlafen. Und das war vollkommen okay.

Hier gibt es noch unseren kurzen 🎥 Neujahrsgruß auf YouTube.

Noch ein paar Tage bleiben

Wir blieben noch bis zum 2. Januar in Zagora. Zeit zum Arbeiten, zum Durchatmen, zum Ankommen. Wir gingen noch einmal durch die Stadt, entdeckten immer wieder neue Ecken, kauften Gemüse im Souk ein.

Zagora hatte uns, zumindest für diesen Moment, genau das gegeben, was wir gebraucht hatten. Hier noch ein Foto vom Tree of Hope, einem Baum am „Ufer" des saisonale Fluss Oued Draa. 

Moment dieses Abschnitts

Die Wüste hat uns gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Abenteuer und Vertrauen ist. Vertrauen ins Fahrzeug. Vertrauen in Menschen. Vertrauen darin, dass Lösungen oft einfacher sind, als sie sich anfühlen. Zwischen Sanddünen, Steinwüste, Werkstattbesuchen und einem verschlafenen Silvester haben wir gemerkt: Nicht jeder Jahreswechsel muss laut sein. Manchmal reicht es, sicher anzukommen und dankbar weiterfahren zu können.

 

Zurück zum Blog