Reisetagebuch – Kapitel 17: Weihnachten in Zagora zwischen Werkstatt und Wüste

· Lesezeit: ~12–16 Min
Aufbruch nach dem Festival
Nach dem International Nomads Festival brachen wir am Sonntagmorgen kurz nach Sonnenaufgang auf. Endlich ging es Richtung Zagora. Doch die Strecke komplett durchzufahren war uns zu weit, und außerdem wollten wir ohnehin noch nach Tata, unserem nächsten geplanten Zwischenstopp.
Ankommen in Tata
Bis Tata verlief alles reibungslos. Wir kamen am 21. Dezember an und standen auf dem Campingplatz Les Palmiers. Zwei Tage, die uns unglaublich gutgetan haben: ruhig, strukturiert, arbeitsreich. Genau der richtige Ort, um Dinge abzuarbeiten, Pläne zu sortieren und kurz durchzuatmen. Durch die Dekoration auf dem Platz kam sogar ein wenig Weihnachtsfeeling auf.



Wir ließen uns direkt auf dem Campingplatz von Ali helfen unser Dachfenster, welches schon seit unserer Abfahrt in Deutschland undicht war, zu reparieren. Anmerkung: Dankeschön dafür, lieber Ali. Nach einer mehrstundigen Starkregen-Prüfung ein paar Wochen später, durften wir feststellen, dass tatsächlich das Dach komplett dicht ist. Wir konnten es kaum glauben!
Und: wir machten einen Abendspaziergang in den alten Teil von Tata. Das war ein fantastischer Ausflug in eine alte Zeit.




Wir wären gerne länger geblieben. Aber Weihnachten stand vor der Tür und wir hatten uns ab dem 23. Dezember für drei Nächte eine Lodge in Zagora geschenkt. Also hieß es wieder: weiterziehen.
Aufbruch Richtung Zagora
Auch am 23. Dezember ging es früh los, wieder nach Sonnenaufgang. Die Fahrt durch diese Wüstenregion ist alles andere als langweilig, obwohl die Straßen oft schnurgerade sind. Kaum Verkehr, gute Straßen, ständig wechselnde Landschaften. Nach etwa vier Stunden, inklusive Pausen, erreichten wir Zagora.
Bevor wir jedoch zur Serenity Lodge fuhren, stand ein Punkt ganz oben auf der Liste: die Werkstatt.
Die Werkstatt unseres Vertrauens
Die Garage Iriki in Zagora begleitete uns gedanklich schon seit Beginn unserer Marokko-Reise. Nach der ersten Panne auf der Autobahn hatten sie uns über Instagram kontaktiert, sich angeboten aus der Ferne. Jetzt wollten sie den Bronco endlich sehen. Und sie ließen nicht locker.
Kurz vor Zagora hielt uns sogar noch ein anderer Werkstattbesitzer an, fuhr uns hinterher, überholte uns, drückte uns seine Visitenkarte in die Hand. Aber wir hatten unsere Entscheidung längst getroffen.
Bei der Garage Iriki angekommen, tranken wir Tee und trafen völlig unverhofft Kristin und Tobi von TK Vanlife. Dazu kamen weitere deutschsprachige Reisende, unter anderem Michi aus der Schweiz und es gab marokkanischen Tee. Werkstätten in Marokko sind irgendwie auch soziale Treffpunkte.



Wir blieben etwa eine Stunde, dann fuhren wir weiter zur Lodge, nur fünf Minuten entfernt.
Ankommen in der Lodge
Die Anfahrt war abenteuerlich: enge, staubige Gassen zwischen alten Häusern, mehrfach die Frage im Kopf, ob der Bronco da wirklich durch passt. Tat er. Schaut gerne mal in das 🎥 kurze Video über Dattelpalmen. Hier seht ihr, wie eng es wirklich war! Wir kamen kurz vor Einbruch der Dunkelheit an. Perfektes Timing.



Wir wussten: Über Weihnachten würden wir ohnehin weniger arbeiten. Das Internet in der Wüste ist nicht immer stabil. Und genau dafür hatten wir uns diesen Ort ausgesucht.
Heiligabend in der Werkstatt
Am 24. Dezember gaben wir den Bronco offiziell in der Werkstatt ab. Uns war wichtig: Auch wenn es eine Werkstatt unseres Vertrauens war, wir wollten dabei sein, wenn gearbeitet wird.
So verbrachten wir den gesamten Heiligabend in der Werkstatt. Bis 19:30 Uhr. Schrauben, prüfen, erklären, nachjustieren. Für uns war das kein verlorener Tag, im Gegenteil. Es ging um Sicherheit, um Vertrauen, um ein gutes Gefühl für die nächsten Tausende Kilometer.


Ein Werkstattmitarbeiter fuhr uns am Abend zur Lodge, damit wir um 20 Uhr pünktlich zum Abendessen da waren. Für uns war klar: Weihnachten darf sich anders anfühlen. Hauptsache, der Bronco kommt zuverlässig zurück.
Dazu gibt es übrigens auch ein 🎥 Reel auf Instagram, ein ziemlich ehrlicher Einblick in unseren Heiligabend.
Wir hatten ein leckeres Heiligabend-Essen in der Lodge, im gemütlichen Nomadenzelt und verbrachten einen ruhigen Weihnachtsabend.

Der 25. Dezember: Alltag statt Feiertag
Am ersten Weihnachtstag ist in Marokko… einfach ein normaler Tag. Keine Lichter, keine Musik, kein „Weihnachtsgefühl“.
Wir gingen zu Fuß zur Werkstatt. Um 11 Uhr sollten wir da sein. Der Bronco war noch nicht fertig. Es gab noch einige Punkte abzuarbeiten.
Am Ende führte uns dieser Tag durch drei verschiedene Werkstätten:
- die Garage Iriki für die Hauptarbeiten
- eine Werkstatt, die einen Rahmen an unserer „Garagen-Box", wie Jürgen sie immer nennt, reparierte (die bei einem Rückfahrmanöver in Portugal leicht angebeult wurde)
- und schließlich ein Elektriker wegen eines Batteriethemas
Ein Tag voller Wege, Warten, Lernen. Und voller Geduld.
Und: es gab noch eine kleine Weihnachtsüberraschung für Jürgen. Gleich neben der Garage Iriki hatte ein Künstler sein Atelier und baute aus Palmenholz kleine Vans. Den Bronco ließ ich dort nachbauen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen:



Altstadt, Synagoge und Teppich: ein Tag, der anders lief
Nach den intensiven Tagen in der Werkstatt haben wir es bewusst ruhiger angehen lassen. Es gab noch viel Arbeit, die liegen geblieben war, und dafür brauchten wir vor allem eins: Ruhe.
Zuerst hieß es Ordnung schaffen. Der Bronco musste wieder eingeräumt werden, denn während der Reparaturen hatten wir wirklich alles aus dem Auto geräumt. Kisten, Taschen, Technik, alles stand verteilt in unserer kleinen Lodge herum. Danach haben wir uns mit unseren Laptops in den Palmengarten der Lodge gesetzt: Schatten, Palmen, Stille. Genau das, was wir gebraucht haben.
Hier noch ein paar Impressionen zur Lodge:





Irgendwann am Nachmittag sind wir dann doch losgezogen. Wir wollten nur in die Stadt gehen, Geld abheben, und uns die Füße vertreten. Doch wie so oft kam alles anders.
Statt Richtung Zentrum liefen wir spontan in Richtung des jüdischen Viertels im Ortsteil Amezrou. Und natürlich dauerte es nicht lange, bis wir angesprochen wurden. Ein Einheimischer wollte uns seinen Laden zeigen. Wir lehnten erst freundlich ab und sagten, dass wir uns gerne die Synagoge anschauen würden. Er erklärte uns den Weg und folgte uns dann einfach.
Zu unserem Glück. Denn aus diesem kurzen Hinweis wurde plötzlich eine private Stadtführung. Er führte uns durch enge Gassen, erklärte die alten braunen Lehmhäuser, ließ uns in Innenhöfe blicken und erzählte von früher. Wir liefen durch ein regelrechtes Labyrinth. Ohne ihn hätten wir diesen Ort niemals gefunden.
Schließlich standen wir vor der Synagoge. Verschlossen. „Einfach klopfen“, sagte er und drehte sich zur Haustüre gegenüber der Synagoge. Eine ältere Frau öffnete die Tür, übergab uns den Schlüssel, und wir durften hinein.


Diese kleine Synagoge war etwas ganz Besonderes. Still, unscheinbar, voller Geschichte. Ein Ort, den wir ohne diese Begegnung nie gesehen hätten.

Natürlich hatte unser Guide noch einen Hintergedanken: seinen Laden. Und ja: wir sind mitgegangen. Oben ein kleines „Museum“ mit gesammelten Alltagsdingen aus der Altstadt. Tee, Geschichten, Zuhören. Unten sein Teppichladen: viele Teppiche, viele Farben, viele Momente. Und am Ende kauften wir tatsächlich einen kleinen gelben Teppich für den Bronco, nach dem wir ohnehin schon länger gesucht hatten.

Wir handelten, lachten, fanden einen Preis, mit dem alle zufrieden waren. Ein gutes Gefühl auf beiden Seiten.
Zurück in der Lodge arbeiteten wir weiter: Blog, YouTube, Planung. Ein produktiver Abend.
Dattelernte in luftiger Höhe
Und dann kam noch ein letztes Highlight dieses Tages: Wir durften einem Dattelernter bei der Arbeit zusehen. Datteln wachsen ganz oben in den Palmen. Der Mann kletterte barfuß, ohne Sicherung, nur mit einem Beil bewaffnet, die hohe Palme hinauf. Oben schnitt er alte Blätter ab und erntete die Datteln. Spektakulär und beeindruckend.
Ein Tag voller Ruhe, Arbeit, Begegnungen und dieser besonderen Magie, die entsteht, wenn man offen bleibt und einfach losgeht.
Ruhige Tage in Zagora
Die restlichen Tage in Zagora verliefen ruhig. Genau so, wie wir es gebraucht haben. Nach all den Wochen voller Etappen, Pannen, Entscheidungen unterwegs und ständiger Bewegung war es gut, einfach einmal nichts zu müssen.
Wir blieben bis zum 28. Dezember in der Lodge. Die Tage ähnelten sich. Genau das machte sie so wertvoll. Arbeiten im Palmengarten, kurze Wege in die Stadt, Gespräche, Beobachten, Schreiben, Schneiden, Planen. Kein Zeitdruck, kein „Wir müssen weiter“, sondern einfach nur Dasein.
Der Bronco war wieder zuverlässig. Das Vertrauen war zurück. Und auch wir selbst fühlten uns wieder sortierter, innerlich wie äußerlich.
Zagora war für uns ein Ort des Innehaltens. Ein Ort, an dem sich vieles gesetzt hat: Gedanken, Pläne, nächste Schritte.
Moment dieses Abschnitts
Nicht der Tag in der Werkstatt. Nicht die Stadtführung durch die Altstadt. Nicht der Teppich, nicht die Synagoge, nicht die Dattelpalmenernte. Der Moment dieses Abschnitts war das Gefühl, angekommen zu sein, ohne irgendwohin zu müssen. Zwischen Palmen, Wüste und leisen Tagen haben wir gemerkt: Reisen heißt nicht immer weiterfahren. Manchmal heißt es einfach bleiben, bis sich alles richtig anfühlt.