Sidi Ifni an der Atlantikküste in Marokko – ruhige Tage am Meer und Reparaturpause.

Reisetagebuch – Kapitel 15: Ankommen trotz Stillstand in Sidi Ifni

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Reisetagebuch › Kapitel 15

Ankommen trotz Stillstand: Sidi Ifni tat gut – technisch wie mental.

· Lesezeit: ~8–10 Min

Der Plan und die nächste Panne

Eigentlich klang der Plan entspannt: Auf nach Sidi Ifni. Keine große Distanz, eine gemütliche Fahrt entlang der Küste, endlich wieder Meer. Wir dachten, das wäre eine dieser Etappen, die man einfach abhakt. Doch der Bronco hatte erneut andere Pläne.

Unterwegs fing er wieder an zu mucken. Erst nur kurz, dann immer häufiger. Der Motor ging aus, Jürgen startete neu, wir rollten ein paar Meter weiter und dann wieder Stillstand. Wir machten eine kurze Kaffeepause unweit unseres Ziels. Hier ein 🎥 Short von der Kaffeepause.

Aber dennoch: dieses Spiel wiederholte sich mehrfach, bis er schließlich fünf Kilometer vor dem Ziel komplett streikte.

Wir standen am Straßenrand. Und irgendwie waren wir erstaunlich ruhig. Vielleicht, weil wir inzwischen gelernt hatten: In Marokko bleibt man selten lange allein.

Hilfe am Straßenrand

Zuerst hielten zwei Radfahrer an: ein holländisches Paar auf Reise. Sie fragten, was los sei, hörten sich alles an und boten sofort Hilfe an. Unsere Idee war pragmatisch: sie fahren bis zum Campground, den wir ohnehin ansteuerten, und geben dort Bescheid.

Der Versuch, den Campingplatz telefonisch zu erreichen, war vorher eher frustrierend gewesen. Zwar ging jemand ans Telefon, aber weder Englisch noch Französisch waren eine gemeinsame Basis. Umso dankbarer waren wir für die Unterstützung der beiden Holländer.

Während wir noch zusammenstanden, hielt ein weiterer Camper an. Er sprach Französisch und verstand sofort, worum es ging. Da er motorisiert war, konnte er schneller reagieren und fuhr direkt los, um Hilfe zu holen.

Die letzten Kilometer bis zum Campground

Kurz darauf kamen zwei Mechaniker. Und dann begann das, was wir inzwischen nur zu gut kannten: neue Tricks, neue Versuche, starten, rollen, stoppen. Schaut euch auch hierzu gerne noch das passende 🎥 Insta-Reel an. 

Mal lief der Bronco ein paar Meter, mal ein paar hundert. Dann wieder Stillstand. Also wieder Haube auf, Kabel prüfen, neu starten, weiterrollen. Es war kein einmaliges Reparieren, sondern ein ständiges Improvisieren, um überhaupt voranzukommen.

Unser großes Glück: Die letzten zwei Kilometer gingen bergab. So konnten wir den Bronco am Ende mehr rollen als fahren und schafften es tatsächlich bis auf den Campground Sidi Ifni. Die Erleichterung war riesig.

Übrigens: wir hatten uns bewußt diesen Platz ausgesucht: in der Beschreibung wurde sogar erwähnt, dass auch Mechaniker auf den Platz kommen. Und wir wollten ohnehin einen generellen Check machen lassen, bevor wir uns auf den Weg ins Landesinnere machen.

Zwei Nächte zum Durchatmen

Wir blieben zwei Nächte in Sidi Ifni. Am zweiten Tag kamen die Techniker noch einmal, diesmal zu dritt. Gemeinsam gingen sie systematisch vor, prüften alles gründlich und fanden schließlich die Ursache: ein korrodierter Stecker. Ein kleines Teil, große Wirkung. Nachdem das Problem behoben war, lief der Bronco wieder zuverlässig.

Sidi Ifni selbst tat uns gut. Ein überschaubarer Ort, direkt am Meer, ruhig, wenig Trubel. Genau der richtige Platz, um nach den letzten Tagen wieder anzukommen und in Ruhe zu arbeiten.

Souk-Abend, Fisch und kleine Funde

Am ersten Abend sind wir zufällig im Souk gelandet. Eigentlich wollten wir nur ein bisschen durch den Ort laufen und standen plötzlich an einem kleinen Fischstand. Restaurant wäre fast zu viel gesagt. Frischer Fisch und einfache Tische, mitten im Souk. Also blieben wir.

Wie so oft bestellten wir viel zu viel. Eigentlich hätte uns eine Portion Sardinen für 15 Dirham völlig gereicht. Stattdessen stand plötzlich der halbe Atlantik auf dem Tisch. Wir schafften vielleicht die Hälfte, aber es war großartig: frisch, simpel, ehrlich.

Noch im Souk fand Jürgen dann endlich seine Jacke, nach der er schon gefühlt die halbe Reise gesucht hatte. Eine typische marokkanische Jacke, genau sein Stil. Ich wurde auch fündig und nahm mir noch ein Paar Schuhe mit. Kleine Dinge, aber genau solche Kleinigkeiten fühlen sich unterwegs oft wie große Gewinne an.

Später schlenderten wir durch den Ort zurück runter zum Bronco. Sidi Ifni liegt leicht erhöht, man kann über Treppen durch das Städtchen laufen und von oben auf den Atlantik schauen. Unten an der Promenade gibt es kleine Bars und Cafés mit Blick aufs Meer. Ruhig, entspannt, nichts Aufgesetztes.

Am nächsten Tag blieb alles unspektakulär. Bis auf den Besuch der Techniker passiert nichts. Und genau das war schön. Arbeiten, planen, ein bisschen Alltag einziehen lassen.

Fazit: Der Wert der Ruhe

Sidi Ifni war kein Ort der großen Highlights. Aber es war ein Ort, an dem wir wieder Boden unter den Füßen bekommen haben: technisch wie mental. Nach all den Pannen, dem Improvisieren und dem ständigen Unterwegssein war genau diese Ruhe das, was wir gebraucht haben.

Manchmal sind es nicht die spektakulären Erlebnisse, die ein Kapitel prägen, sondern die stillen Tage dazwischen. Sidi Ifni war genau so ein Kapitel.

Nach zwei Nächten ging es weiter. Der nächste große Plan: Richtung Zagora. Eine lange Strecke quer durchs Land. Eigentlich mit Zwischenstopps in Tafraoute und Tata.

Doch wie so oft sollte sich der Plan noch ändern.

Fortsetzung folgt.

 

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