Reisetagebuch – Kapitel 13: Begegnungen, Kamele und zwei Welten

· Lesezeit: ~9–11 Min
Abschied von Essaouira
Am Montag, 8. Dezember, hieß es Abschied nehmen von Essaouira. Wir verließen unser schönes Hotel, in dem wir sogar eine Nacht länger geblieben waren als geplant – einfach, weil es uns so gut gefallen hatte. Doch neue Begegnungen warteten bereits.
Camping Des Oliviers: eine andere Zeit
Unser erster Stopp führte uns auf den Campingplatz Des Oliviers, nur etwa eine halbe Stunde von Essaouira entfernt. Kaum angekommen, fühlten wir uns wie in einer anderen Zeit.

Eselkarren bestimmten das Straßenbild, reges Treiben herrschte, alles wirkte archaisch und lebendig zugleich. Der Campingplatz selbst war eine kleine Oase: ruhig, herzlich geführt, perfekt für eine Nacht.
Begegnung mit Abderazzak
Am nächsten Tag waren wir zum Mittagessen mit Abderazzak verabredet, den wir über LinkedIn kennengelernt hatten. Er hatte unsere YouTube-Videos gesehen und Jürgen geschrieben, dass er uns unbedingt treffen wolle.
Wir trafen uns zunächst im falschen Café, was in Marokko offenbar dazugehört. Abderazzak holte uns kurzerhand ab, und gemeinsam gingen wir zu Fuß zu ihm nach Hause, wo er mit seiner Mutter lebt.
Seine Mutter hatte für uns Couscous gekocht, ein Gericht, das eigentlich nur freitags serviert wird. Doch für Gäste macht man Ausnahmen. Wir aßen gemeinsam aus einem großen Topf. Gesprochen wurde kaum, aber Herzlichkeit braucht keine Worte. Die Art, wie gegessen wurde, war sehr ungewöhnlich für uns: wir saßen um den Tisch herum auf dem Boden, Abderazzak, Jürgen und ich aßen mit der Gabel und die Mutter nahm ihre rechte Hand. Auch das ist Marokko.



Zum Abschied schenkte sie uns frische Kräuter und suchte für jeden von uns einen Schal aus ihrem Schrank aus, farblich abgestimmt. Ein Moment, der bleibt.


Weiter Richtung Süden: Sidi Kaouki
Nach dem Mittagessen fuhren wir weiter Richtung Süden nach Sidi Kaouki. Ein kleines Surferdorf mit wenigen Läden, ein paar Restaurants und viel Weite.

Hier begegneten wir erstmals in dieser Intensität den fliegenden Händlern auf dem Campground Sidi Kaouki Beach: Fisch, Honig, Kekse, Scheibenwischer, Jacken, alles wurde angeboten.
Zwei geschäftstüchtige Herren nahmen Maß für Seitenteile unserer Markise. Zwei Tage später kamen sie tatsächlich mit den fertigen Teilen zurück. Seitdem genießen wir abends deutlich mehr Gemütlichkeit.
Besonders in Erinnerung blieb uns der Honigmann, mit einem Löffel zum Probieren, der schon viel gesehen hatte. Honig ist schließlich antibakteriell. Am nächsten Tag kaufte Jürgen vorsichtshalber seinen eigenen Honiglöffel.
Nach zwei Nächten, inklusive Regen und erneutem Wassereinbruch im Bronco, ging es weiter.
Kamele, Küstenstraße und Agadir
Unser nächster Stopp war der Campingplatz Terre d’Océan, nördlich von Taghazout. Schon bei der Ankunft fuhren wir an einer riesigen Kamelherde vorbei.
Aussicht von unserem Stellplatz:


Am nächsten Tag begegnete sie uns erneut, dieses Mal direkt auf der Straße. Über 100 Kamele, begleitet von Eseln. Wir filmten fast drei Minuten lang.

Auf dem Weg nach Agadir wurden wir spontan von einem Einheimischen mitgenommen. Kostenlos. Einfach so. Einer dieser Momente, die man nicht planen kann.
Agadir selbst überraschte uns: Hafen, Souk, Kasbah. Mit der Seilbahn fuhren wir hinauf zur Gedenkstätte des Erdbebens von 1960. Der Blick, die Begegnungen, das Leben – all das blieb.
Taghazout – zwei Welten
Taghazout besteht aus zwei Welten: dem ursprünglichen Fischerdorf und der modernen Hotelwelt.
Im alten Dorf saßen wir erhöht mit Blick auf den Atlantik, beobachteten Fischerboote und das bunte Treiben. Der zweite Teil – mit Luxus-Hotels und Promenade – wirkte wie eine abgeschirmte Parallelwelt. Interessant, aber nicht unser Leben.



Moment dieses Abschnitts
Manchmal sind es nicht die Orte, sondern die Menschen, die eine Reise prägen. Begegnungen, die bleiben. Und Wege, die sich genau richtig anfühlen.