Reisetagebuch – Kapitel 1: Der Aufbruch

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Der Plan, der keiner war
Eigentlich wollten wir spätestens um halb fünf los. Eigentlich. Aber wie das so ist mit großen Momenten: sie halten sich selten an Pläne.
Das Dach des Broncos wollten wir noch am Morgen schließen, bevor Jürgen zur Geburtstagsfeier seiner Mutter und ich zu meinen Eltern aufbrach. Aber die Zeit rannte. Wenn wir das jetzt noch machen würden, war klar: Unser kompletter Zeitplan würde kippen. Also ließen wir es bleiben – erstmal. Der Bronco blieb offen, als Symbol dafür, dass manches eben einfach später kommt.
Leiser Abschied
Während Jürgen bei der 80. Geburtstagsfeier seiner Mutter war, fuhr ich zu meinen Eltern. Mein Bruder Sebastian und seine Freundin Maureen waren da – vertraut, herzlich. Der Abschied kam leise, ohne Tamtam. Nicht schwer, aber bedeutend: Jetzt geht’s wirklich los.
Erstes Mal mit dem Miles-Auto
Weil es samstags mit den Öffis kaum möglich ist, zu meinen Eltern zu kommen, lieh ich mir zum ersten Mal ein Auto von MILES. Das war ein Erlebnis. Nicht, weil ich den Tankdeckel nicht fand, sondern weil man das Tanken über eine App abwickelt. Irgendwie seltsam, aber auch ganz modern: ungewohnt, aber praktisch.
Regenstart in Köln
Wir trafen uns am sono. in Köln., unserem ehemaligen Café und Feinkostgeschäft, welches wir kurz vor unserer Reise verkauft haben. Die Stadt vibrierte: Anuga, Events, Stau, Hupen – Köln eben. Wir kamen spät zum Bronco, und genau da öffnete der Himmel die Schleusen. Statt sofort loszurollen, schlossen wir im Regen das Dach, das eigentlich morgens dran gewesen wäre. Wir lachten – typisch Auftakt: Chaos mit Charme.
Als der Regen nachließ, wurde es dunkel. Nach einem langen, warmen Sommer verabschiedete sich Köln mit Niesel und Nostalgie und wir mit einem Gefühl irgendwo zwischen Wehmut und Aufbruchsstimmung. Motor an und los ging´s.
Umweg über Luxemburg
Unser Weg führte über Luxemburg – ein kleiner, symbolischer Umweg. Ein weiteres Land vor dem „eigentlichen“ Start und eine gute Gelegenheit, günstiger zu tanken. Der Bronco ist schließlich kein Kostverächter.
Ankunft in Pont-à-Mousson

In Frankreich war es bereits tiefschwarz als wir ankamen. Kein Platz zum Übernachten, überall „complet“. Schließlich entdeckten wir in Pont-à-Mousson ein kleines Restaurant, wo wir fragten, ob sie einen Tipp hätten. Hatten sie – und was für einen: „Stellt euch einfach beim Bäcker gegenüber hin, das passt schon.“
Vorher gab’s Abendessen: Ich hatte kleine frittierte Fische – knusprig, salzig, köstlich. Jürgen bestellte sich ein Stück Fleisch. Es war eines dieser einfachen, aber perfekten Abendessen, die nach Aufbruch schmecken.

Später rollten wir auf den Parkplatz. Kein Regen mehr, alles trocken. Ein exponierter Platz, und doch fühlte es sich sicher an. Frei. Unwirklich. Unsere erste Nacht auf der Reise von Köln nach Sydney, auf einem Bäckerparkplatz in einem französischen Städtchen, irgendwo zwischen Nervosität und Vorfreude.
Moment des Tages
Manchmal fängt Freiheit damit an, Dinge offen zu lassen – wie ein Bronco-Dach, das man später im Regen schließt.