Marokko in 7 Tagen: Wüstenroute von Marrakesch nach Erg Chigaga

Sonderkapitel · Marokko Route · Marrakesch – Hoher Atlas – Aït Ben Haddou – Zagora – Erg Chigaga – Agadir
Sonderkapitel: Marokko in 7 Tagen
Option 1: Die Wüstenroute idealerweise mit dem Allrad
Es gibt diese Frage, die uns immer wieder erreicht.
Was macht man, wenn man nur eine Woche Zeit hat für Marokko?
Nicht viel, könnte man sagen.
Oder genau das Richtige.
Wir sind inzwischen mehrere Monate im Land unterwegs gewesen, haben viel gesehen und vieles wieder verworfen. Irgendwann wird klar: Es geht nicht darum, möglichst viel unterzubringen, sondern eine Route zu finden, die in sich funktioniert.
Das hier ist eine solche Route.
Eine Woche, eine Richtung.
Von Marrakesch über den Hohen Atlas in den Süden, weiter in die Wüste und am Ende an den Atlantik.
Eher wüstenorientiert.
Eher unterwegs als angekommen.
Die einzelnen Etappen beschreiben wir auch in unserem passenden 🎥YouTube-Video:
Tag 1: Ankommen in Marrakesch
Marrakesch ist kein Ort, an dem man langsam ankommt.
Man ist sofort mittendrin. Geräusche, Enge, Bewegung. Die Medina wirkt im ersten Moment fast überfordernd, und genau das gehört dazu.
Food Stand im Souk von Marrakesch
Typische Gasse im Souk von Marrakesch
Wir würden hier nicht lange bleiben. Eine Nacht reicht, um ein Gefühl zu bekommen.
Verkäufer auf dem bekannten Platz Jemaa el Fna
Ein Riad in der Medina ist dafür der richtige Ort. Wir waren im Riad Le Soleil de Bahia. Innenhöfe, ruhige Ecken, ein klarer Kontrast zu dem, was draußen passiert.
Dachterrasse Riad Le Soleil de Bahia
Man läuft ein wenig durch die Gassen, bleibt stehen, schaut. Mehr braucht es an diesem ersten Tag nicht.
Über Marrakesch haben wir bereits einiges in den Kapiteln 23, 27 und 31, unseres Reisetagebuchs berichtet.
Tag 2: Über den Hohen Atlas nach Aït Ben Haddou
Am nächsten Morgen geht es früh los.
Sobald man Marrakesch hinter sich lässt, verändert sich die Landschaft schnell. Die Straße zieht sich in den Hohen Atlas, über den Tizi n´ Tichka-Pass, Kurven, Höhenmeter, kleine Orte, die sich an die Hänge schmiegen. Die Aussicht ist immer wieder weit und beeindruckend, und die Strecke selbst fühlt sich fast kurzweilig an, obwohl man einige Zeit unterwegs ist.
Die Strecke ist kein Mittel zum Zweck. Sie gehört zur Reise.
Geschafft: höchster Punkt des Tizi n´ Tichka Passes mit 2260 Metern
Irgendwann erreicht man Aït Ben Haddou. Schaut hierzu auch gerne mal in unser Kapitel 20 des Reisetagebuchs.
Ein Ort, den viele aus Filmen kennen. Lehmbauten, Türme, warme Farben. Und trotzdem ist es nicht der Filmbezug, der bleibt.
Blick auf Ait Ben Haddou
Es ist die Ruhe, sobald man ein Stück nach oben läuft. Der Blick über die Landschaft. Dieses Gefühl, kurz anzukommen.
Eine gute Stunde reicht, zwei sind besser. Und im Idealfall früh morgens gegen 9:00 Uhr, bevor die Tourstenbussse den Ort stürmen.
Am Nachmittag geht es weiter Richtung Süden.
Tag 3: Ankommen in Zagora
Die Strecke wird ruhiger. Die Landschaft öffnet sich, wird trockener, weiter. Irgendwann tauchen erste Palmen auf.
Zagora ist kein klassisches Ziel. Eher ein Übergang.
Und genau deshalb passt es so gut.
Etwas außerhalb liegt die Serenity Lodge. Schon die Anfahrt verändert die Stimmung. Enge Wege, Sand, Mauern aus Lehm. Und dann steht man plötzlich in einem Palmenhain, ein Ort für sich. Hier geht es darum, anzukommen.
Straße zur Serenity Lodge
Einfahrt zur Serenity Lodge
Eingang zur Rezeption Serenity Lodge
Eines der Häuschen in der Serenity Lodge
Der erste Abend ist ruhig. Essen im Berberzelt, Gespräche, wenig Ablenkung.
Frühstück und Abendessen im Berberzelt
Tag 4: Zagora und Umgebung
Der Tag beginnt langsamer.
Man kann zu Fuß nach Zagora laufen, durch die Stadt gehen, kleine Dinge entdecken. Das bekannte Schild Richtung Timbuktu ist schnell gefunden, aber interessanter sind die Orte, die man nicht sofort sieht.
Eine alte Synagoge etwas versteckt oberhalb der Stadt. Man klopft an eine Tür, jemand öffnet, und plötzlich steht man in einem Raum, den man so nicht erwartet hätte.
Eingang zur alten Synagoge in Zagora
Gässchen in der alten Medina in Zagora
Solche Momente entstehen hier nebenbei.
Zurück an der Lodge vergeht der Tag ruhig.
Die kleinen Dünen in der Nähe eignen sich für den Sonnenuntergang, ein erstes Gefühl für die Wüste.
Am Abend wieder das gleiche Bild. Essen, Ruhe, wenig Bewegung.
Und genau das ist gut so.
Tag 5: In die Wüste – Erg Chigaga
Am nächsten Tag geht es los.
Gemeinsam mit einem Guide fährt man Richtung Wüste. Unterwegs wird alles organisiert: Getränke, Fleisch zum Grillen, Tee, das, was man braucht.
Brahim kauft ein für unsere Mittagspause
Dann wird die Strecke karger. Der feste Untergrund verschwindet. Wenn man Glück hat, laufen einem die Strauße über den Weg.
Spannende Begegnung auf dem Weg zum Erg Chigaga
Die letzten Kilometer führen durch offene Flächen, Sand, kaum Orientierung.
Und dann ist sie da.
Weitläufig, ruhig, ohne klare Begrenzung. Man läuft auf eine Düne, schaut in die Ferne, und es ist still.
Der Wind ist oft das Einzige, was man hört.
Man bewegt sich ohne Ziel. Läuft hoch, wieder runter. Setzt sich irgendwo hin.
Unendlich viele Dünen, teils bis 300 Meter hoch, in der größten Wüste Marokkos
Auf dem Gipfel einer Dünen – fantastisches Erlebnis
Am Abend lohnt es sich, mit dem Dromedar in Richtung Sonnenuntergang zu reiten oder zu Fuß die Dünen hochzugehen. Von oben hat man einen weiten Blick über die Landschaft. Man kann sich auch ein Sandboard schnappen und damit wieder hinunterfahren. Diese Kombination aus Bewegung, Stille und Weite ist dort wirklich einzigartig.
Dromedare warten auf den allabendlichen Ausflug zum Sonnenuntergang
Am Abend wird es kühler. Ein Feuer, etwas Musik, Gespräche.
Sonnenauf- und Untergänge sind im Erg Chigaga ein Traum
Über unsere Tour in die Wüste nach Erg Chigaga haben wir auch im Kapitel 18 unseres Reisetagebuchs ausführlicher berichtet.
Tag 6: Zurück nach Zagora
Der Rückweg zieht sich.
Man fährt wieder durch die Weite, zurück Richtung Zagora. Eine letzte Nacht dort hilft, wieder anzukommen.
Die Eindrücke setzen sich ein wenig.
Am nächsten Morgen geht es weiter.
Tag 7: Ouarzazate und Weiterfahrt nach Agadir
Der Tag beginnt mit der Fahrt nach Ouarzazate.
Platz in Ouarzazate
Die Atlas Filmstudios liegen etwas außerhalb. Große Kulissen mitten in der Landschaft, ein ungewohnter Anblick. Ein kurzer Rundgang reicht, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Lest auch gerne Kapitel 20. Da findet ihr weitere Infos zu Ouarzazate und Ait Ben Haddou.
Einfahrt zu den Atlas Filmstudios
Danach geht es weiter Richtung Atlantik.
Die Strecke ist lang, aber sie verändert noch einmal alles. Die Landschaft wird offener, belebter, irgendwann taucht wieder mehr Grün auf.
Am Abend erreicht man Agadir.
Tag 8: Agadir und Rückreise
Agadir fühlt sich anders an als die Tage davor.
Moderner, strukturierter, weniger roh.
Alex vor Schild in Agadir
Schilder in Taghazout, unweit von Agadir, ein Surfer-Paradies
Man läuft am Strand entlang, geht durch den Souk, fährt mit der Seilbahn nach oben und schaut über die Stadt. Der Atlantik bringt eine andere Ruhe mit sich.
Seilbahn in Agadir zur Kasbah von Agadir Oufella
Hier geht es nicht mehr darum, etwas zu sehen.
Hier geht es darum, die Reise ausklingen zu lassen.
Zwei Nächte sind ideal, bevor es zurückgeht.
Unsere Einschätzung zu dieser Route
Diese Route ist kompakt und ideal für die Fahrt mit Allrad-Fahrzeug.
Sie verlangt Bewegung und Aufmerksamkeit. Man sitzt viel im Auto, die Tage sind teilweise lang, und es bleibt wenig Raum für längere Pausen.
Gleichzeitig ist genau das ihre Stärke.
Die Abfolge der Orte fühlt sich stimmig an. Marrakesch als Einstieg, der Atlas als Übergang, Zagora als bewusster Ruhepunkt, die Wüste als Zentrum der Reise und Agadir als Abschluss.
Gerade die Tage rund um Zagora machen für uns den Unterschied. Ohne diesen Zwischenstopp wäre die Route deutlich härter. So entsteht ein Rhythmus, der sich gut anfühlt.
Auch die Entscheidung für Erg Chigaga spielt dabei eine Rolle. Die Wüste ist hier weniger zugänglich, aber genau dadurch intensiver. Man ist nicht einfach nur dort, man bewegt sich hinein.
Agadir wirkt am Ende fast wie ein Kontrast zu allem davor. Moderner, offener, ruhiger. Und genau deshalb funktioniert es als Abschluss.
Trotzdem ist diese Route nicht für jeden gedacht.
Wer eine entspannte Urlaubswoche sucht, wenig fahren möchte oder mehr Zeit an einzelnen Orten verbringen will, wird sie wahrscheinlich als zu dicht empfinden.
Wer dagegen gerne unterwegs ist, gerne fährt und sich auf wechselnde Eindrücke einlässt, bekommt in kurzer Zeit ein sehr rundes Bild.
Für uns ist es eine Route, die funktioniert, weil sie nicht versucht, alles zu zeigen.
Sondern genau das auswählt, was in sieben Tagen wirklich erlebbar ist.
Und vielleicht ist das am Ende der entscheidende Punkt.