Kapitel 35 Reisetagebuch: Von Kroatien über Bosnien-Herzegowina nach Albanien
Kapitel 35 Reisetagebuch: Endlich weiter – Von Kroatien über Bosnien-Herzegowina nach Albanien
Abschied von Kroatien
Nach unserem Aufenthalt in Kroatien, der am Ende dann doch mal wieder länger als geplant war, war es endlich Zeit für das nächste Land. Am 26. Juni packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg Richtung Bosnien-Herzegowina. Bevor wir jedoch die Grenze überquerten, wollten wir uns noch einen Ort anschauen, von dem wir bis dahin noch nie gehört hatten: Rastoke.


Rastoke wirkte auf uns wie aus einer anderen Zeit. Zwischen alten Mühlen, kleinen Brücken und historischen Häusern verzweigt sich das Wasser in unzählige Arme. Überall rauscht es. Kleine Wasserfälle stürzen zwischen den Gebäuden hindurch, glasklares Wasser fließt durch den gesamten Ort und mündet schließlich in die Korana. Nicht umsonst wird Rastoke oft als das „kleine Plitvicer Seen“ bezeichnet.
Wir wollten nur kurz bleiben, doch am Ende vergingen dann doch mindestens zwei Stunden, ohne dass wir es bemerkten.
Erst gegen Abend verabschiedeten wir uns von Rastoke und fuhren weiter Richtung bosnische Grenze.
Willkommen in Bosnien-Herzegowina
An der Grenze angekommen, war überraschend wenig Verkehr. Es waren kaum mehr als zwanzig Fahrzeuge vor uns. Trotzdem zog sich die Einreise länger hin als gedacht. Als wir schließlich nach ca. 1,5 Stunden unsere Pässe zurückbekamen, war es bereits kurz vor neun Uhr abends.

Unser Plan war es, in Bihać irgendwo frei zu stehen. Doch wie so oft kamen wir wieder einmal im Dunkeln an. Wenn man die Umgebung kaum erkennen kann und ein Land noch nicht kennt, fühlt sich Freistehen einfach anders an. Man weiß nicht genau, wer oder was sich in der Nähe befindet und kann schlecht einschätzen, ob der Platz wirklich geeignet ist.
Also änderten wir spontan unseren Plan.
Über Park4Night fanden wir einen kleinen Campingplatz direkt an der Una.
Schon nach wenigen Minuten wussten wir, dass das die richtige Entscheidung gewesen war.
Der Platz war überschaubar, liebevoll angelegt und lag direkt am türkisfarbenen Fluss. Überall gab es kleine Sitzmöglichkeiten, sodass wir unsere Campingstühle gar nicht erst auspacken mussten. Stattdessen setzten wir uns einfach ans Wasser, erfrischten uns in der recht kalten Una und ließen den Abend ganz entspannt ausklingen.

Solche Plätze lieben wir. Schaut gerne auch mal hier im 🎥 Reel.
Nicht groß. Nicht luxuriös. Aber mit einer Atmosphäre, bei der man sofort das Gefühl hat, angekommen zu sein.
Aus einer geplanten Zwischenübernachtung wurden schließlich zwei Nächte.
Wir arbeiteten, genossen die Ruhe und sammelten neue Energie für die nächste Etappe.
Auf der Suche nach Bosniens Wildpferden
Unser nächstes Ziel war Livno.
Die kleine Stadt im Westen Bosniens ist vor allem für eine ganz besondere Attraktion bekannt: die Wildpferde.
Ihre Geschichte beginnt in den 1970er-Jahren. Damals wurden viele Arbeitspferde nicht mehr benötigt, weil Maschinen ihre Aufgaben übernahmen. Statt sie zu schlachten, ließen viele Bauern ihre Tiere auf den weiten Hochebenen frei. Während des Bosnienkriegs kamen weitere Pferde hinzu. Aus den einzelnen Tieren entwickelte sich über Jahrzehnte eine der größten frei lebenden Pferdepopulationen Europas. Heute ziehen rund tausend Wildpferde durch die Landschaft rund um Livno.
Genau diese Tiere wollten wir unbedingt erleben.
Mit dem Bronco ging es über einen Schotterweg langsam den Berg hinauf. Die Strecke war zwar nicht besonders hoch, zog sich dafür aber steil den Hang entlang. Die Sonne brannte erbarmungslos vom Himmel. Es wehte kein einziger Windhauch und unser alter Bronco musste sich Meter für Meter nach oben kämpfen.
Je höher wir kamen, desto langsamer wurde er.
Kurz vor dem Ziel war es dann wieder so weit.
Die Temperatur stieg. Das Kühlwasser begann zu kochen.
Wir rollten an den Rand der Schotterpiste und stellten den Motor ab.

Jetzt hieß es warten.
Während wir versuchten, den Bronco abkühlen zu lassen, fuhren ganz normale Familienautos an uns vorbei. Für die Einheimischen schien diese Strecke überhaupt kein Problem zu sein. Eine Familie hielt sogar an und fragte, ob sie helfen könne. Mehr konnten wir allerdings nicht tun, als geduldig auf etwas niedrigere Temperaturen zu hoffen.

Zum Glück verrieten sie uns noch etwas Beruhigendes.
Bis zur Hochebene sei es nicht mehr weit.
Als der Motor endlich wieder mitspielte, schafften wir die letzten Meter tatsächlich noch bis nach oben.
Mittlerweile war es fast dunkel.
Von den Wildpferden fehlte allerdings jede Spur.
Also beschlossen wir, genau dort zu bleiben.
Mitten auf der riesigen Hochebene schlugen wir unser Nachtlager auf. Es war Vollmond. Über uns funkelten unzählige Sterne. Ringsherum herrschte absolute Stille. Irgendwo in der Ferne waren nur vereinzelte Tiergeräusche zu hören.



Ein bisschen unheimlich war es schon.
Aber gleichzeitig war es einer dieser Abende, die man nie wieder vergisst.
Am nächsten Morgen standen wir früh auf und machten uns zu Fuß auf die Suche nach den Pferden.
Die Ebene ist gewaltig.
Man unterschätzt völlig, wie groß dieses Gebiet tatsächlich ist. Eine Stunde liefen wir durch die Landschaft, ohne einem einzigen Pferd zu begegnen.
Dann entdeckten wir am Horizont plötzlich vier kleine Punkte.
Vier Wildpferde.

Nicht die riesige Herde, auf die wir gehofft hatten.
Aber immerhin ein erster Moment, der zeigte, dass sie wirklich hier draußen lebten.
Wir beobachteten sie eine ganze Weile, bevor wir uns langsam wieder auf den Rückweg machten und sie hinter einem Hügel verschwanden.
Unser Ziel war es nun, möglichst früh den Berg hinunterzufahren.
Doch genau daraus entwickelte sich das nächste Abenteuer.
Ein Schäfer, ein Zündkabel und ganz viel Glück
Kaum waren wir am nächsten Morgen losgefahren, passierte es erneut.
Der Bronco ging einfach aus.
Zum Glück standen wir zu diesem Zeitpunkt noch oben auf der Hochebene und noch nicht mitten auf dem steilen Schotterweg. Das hätte deutlich unangenehmer werden können. Trotzdem war die Stimmung erst einmal im Keller. Nach den Problemen vom Vortag hofften wir eigentlich nur noch darauf, ohne weitere Zwischenfälle wieder ins Tal zu kommen.
Während wir noch überlegten, was wir jetzt machen sollten, tauchte plötzlich wie aus dem Nichts ein Schäfer auf. Etwas abseits der Piste hatte er einen kleinen Hof mit Schafen und einigen alten Fahrzeugen, die dort schon seit Jahren standen.
Er schaute sich den Bronco kurz an und hatte sofort eine Vermutung.
Ein Zündkabel.
Er ging zu einem der alten Autos auf seinem Grundstück, baute dort ein passendes Kabel aus und kam kurze Zeit später damit zurück. Gemeinsam mit Jürgen bastelte er daraus ein neues Zündkabel für unseren Bronco.

Es war wieder einmal einer dieser Momente, in denen man merkt, dass sich viele Probleme unterwegs nur deshalb lösen lassen, weil Menschen bereit sind zu helfen.
Ganz erledigt war das Problem allerdings noch nicht. Der Motor lief zwar wieder, ging aber noch einige Male aus. Ehrlich gesagt rechneten wir inzwischen schon damit, den Bronco abschleppen lassen zu müssen. Das wäre oben vom Berg herunter bei den Wegverhältnissen alles andere als lustig geworden.
Doch irgendwann lief der Motor wieder sauber.
Vorsichtig machten wir uns auf den Weg ins Tal und dieses Mal schaffte der Bronco die Strecke ohne weitere Probleme.
Drei Tage am Sturba River
Nach diesem Vormittag hatten wir genug Abenteuer erlebt.
Anstatt direkt weiterzufahren, entschieden wir uns, erst einmal in Livno zu bleiben und unserem Bronco eine kleine Pause zu gönnen. Wegen der sommerlichen Temperaturen suchten wir uns bewusst einen Campingplatz direkt am Fluss Sturba aus.
Es war die perfekte Entscheidung.
Der Platz gehörte zu den schönsten Campingplätzen unserer bisherigen Reise (siehe auch dieses 🎥 Reel). Die Gastgeber empfingen jeden Neuankömmling mit einem Glas Slivovica und kümmerten sich mit einer Herzlichkeit um ihre Gäste, die wir nur selten erlebt haben.

Unser Stellplatz lag direkt am Fluss.
Vor unserem Bronco befand sich eine kleine Holzterrasse direkt über dem Fluß mit Tisch, Stühlen und einem großen Sonnenschirm. Eigentlich gehörte sie allen Gästen. Da sie aber direkt vor unserem Stellplatz lag und kaum jemand dort saß, fühlte sie sich fast wie unsere eigene Terrasse an.

Der Fluss Sturba war eiskalt.
Zum Schwimmen war er uns zu kalt. Aber genau das machte ihn an diesen heißen Tagen so angenehm. Immer wieder hielten wir zwischendurch die Füße ins Wasser, kühlten uns ab und setzten uns anschließend wieder an den Laptop. Arbeiten fiel hier erstaunlich leicht.
Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben.
Am Ende wurden daraus drei. Hier noch ein paar 🎥 Impressionen.
Diesmal fanden wir die ganze Herde
Am 30. Juni wollten wir den Wildpferden noch eine zweite Chance geben.
Den Bronco ließen wir diesmal allerdings lieber auf dem Campingplatz stehen. Nach den Problemen der vergangenen Tage wollten wir ihn nicht noch einmal den Berg hinaufquälen.
Stattdessen vereinbarten wir einen kleinen Ausflug mit einem Ranger aus Livno. Er kennt die Gegend wie seine Westentasche und weiß meist ziemlich genau, wo sich die Herden gerade aufhalten.
Er holte uns spät nachmittags am Campingplatz ab. Diesmal dauerte es nicht lange. Plötzlich standen sie vor uns.
Nicht vier.
Nicht zehn.
Sondern eine riesige Herde mit ungefähr zweihundert Wildpferden.
Es war ein unglaublicher Anblick.

Die Tiere bewegten sich völlig frei über die Hochebene. Einige grasten in aller Ruhe, andere liefen neugierig auf uns zu. Dazwischen tollten kleine Fohlen über die Wiesen.


Viele der Pferde ließen sich sogar vorsichtig streicheln. Sie wirkten ruhig und überhaupt nicht scheu.
Wir verbrachten lange Zeit einfach damit, sie zu beobachten.
Ohne Eile.
Ohne Hektik.
Nur wir, die Pferde und diese gewaltige Landschaft.
In diesem Moment wussten wir, dass sich der ganze Aufwand gelohnt hatte. Wären wir nach unserem ersten Versuch enttäuscht weitergefahren, hätten wir dieses Erlebnis nie gehabt.
Es gehört zu den schönsten Naturmomenten unserer Reise. Mehr dazu auch in diesem 🎥 Reel.
Ein Schreckmoment auf unserer Reise
Wir dachten, nach den Wildpferden würde es erst einmal etwas ruhiger werden.
Doch am nächsten Tag machte uns plötzlich etwas ganz anderes Sorgen.
Wir hatten gerade einen Online-Geschäftstermin, als ich bemerkte, dass Jürgens Oberlippe immer dicker wurde. Solch eine Reaktion hatte er in letzter Zeit bereits des Öfteren. Doch innerhalb kurzer Zeit schwoll sein ganzes Gesicht immer weiter an. Er sah völlig verändert aus und wir wussten nicht, ob die Schwellung vielleicht noch schlimmer werden würde.
Zum Glück hatten wir wieder einmal unglaublich hilfsbereite Menschen um uns.
Die Betreiberin unseres Campingplatzes war viele Jahre Krankenschwester im Krankenhaus von Livno. Als sie Jürgen sah, musste sie nicht lange überlegen.
„Wir fahren sofort ins Krankenhaus.“
Wenig später saßen wir bereits in ihrem Auto. Im Krankenhaus ging alles erstaunlich schnell. Jürgen kam direkt an die Reihe, bekam eine Spritze gegen die allergische Reaktion und wurde gründlich untersucht.
Die Ärzte konnten Entwarnung geben.
Allerdings bekam er auch eine klare Ansage mit auf den Weg. Für die nächsten Wochen hieß es: kein Alkohol, kein Fleisch und möglichst wenig Zucker.
Als wäre das nicht schon genug gewesen, machte sich gleichzeitig auch noch sein rechter Fuß bemerkbar. Er schmerzte schon seit einigen Tagen. Alles deutete darauf hin, dass sich erneut ein Gichtanfall ankündigte.
Zum Glück schlugen die Medikamente schnell an und schon am nächsten Morgen ging es Jürgen, bis auf den Fuß, deutlich besser.
Dennis und die fast vergessene Maraska-Kirsche
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns schweren Herzens vom Sturba River.
Wenn wir nicht noch einen Termin in der Nähe von Omis gehabt hätten, hätten wir dort gut noch ein paar Tage länger bleiben können.
Über die AHK Kroatien waren wir mit Dennis in Kontakt gekommen. Er betreibt in Katuni eine riesengroße Kirschplantage und setzt sich mit viel Leidenschaft dafür ein, die fast ausgestorbene Maraska-Kirsche wieder anzubauen. Früher war diese besondere Sauerkirsche in Dalmatien weit verbreitet und unter anderem die Grundlage für den berühmten Maraschino-Likör. Heute gibt es nur noch wenige Menschen, die sie in größerem Umfang in viel Handarbeit kultivieren.
Als wir auf seiner Plantage ankamen, steckte Dennis mitten in der Kirschernte.

Gemeinsam mit seiner Familie und seinem Team wurden Kisten getragen, Kirschen sortiert und Traktoren fuhren über das Gelände. Schaut gerne mal in unser kleines 🎥 Reel.
Wir wollten am Tag unserer Ankunft mit Dennis ein Unternehmer-Interview führen. Doch Dennis fragte, ob wir das Gespräch aufgrund der Kirschernte auf den nächsten Tag schieben können.
Dafür bot er uns etwas an, womit wir überhaupt nicht gerechnet hatten.
Wir durften mit dem Bronco direkt auf seiner Kirschplantage übernachten.
Als am Abend alle Mitarbeiter nach Hause gefahren waren, standen wir plötzlich ganz allein zwischen den Kirschbäumen. Kein Campingplatz. Keine Nachbarn. Nur wir, unser Bronco und unzählige Kirschbäume.


Es war einer dieser Übernachtungsplätze, die man niemals vergisst.
Geheimtipps statt Touristenmassen
Dennis hatte uns noch einen weiteren Tipp gegeben.
Wenn wir schon hier seien, sollten wir uns unbedingt die beiden Kraterseen von Imotski anschauen. Den Roten See und den Blauen See.
Von allein wären wir wahrscheinlich nie auf diese Idee gekommen.
Doch schon nach wenigen Minuten waren wir begeistert. Beide Seen liegen in riesigen Dolinen und wirken fast unwirklich. Besonders der Rote See mit seinen steilen Felswänden beeindruckte uns sehr.


Am Nachmittag fuhren wir noch weiter nach Zadvarje.
Auch diesen Ort hatte Dennis uns empfohlen.
Dort öffnet sich plötzlich ein gewaltiger Canyon, den man 🎥 von mehreren Aussichtspunkten aus überblicken kann. Obwohl mitten in der Hauptsaison unterwegs waren, begegneten wir dort kaum anderen Besuchern.

Wieder einmal zeigte sich, dass die besten Orte oft nicht in jedem Reiseführer stehen.
Man muss nur jemanden kennen, der sie kennt.
Wenn der Bronco plötzlich nicht mehr will
Nachdem wir bei Dennis von der Kirschplantage weggefahren waren und uns auf den Weg Richtung Bosnien-Herzegowina machten, passierte es.
Kurz vor Imotski ging der Motor plötzlich wieder aus.
Jürgen reagierte sofort und schaffte es gerade noch, den Bronco auf einen kleinen Parkplatz am Straßenrand zu rollen. Der Parkplatz lag an einem Hang und genau dort standen wir nun fest.
Es war Freitagnachmittag.
Ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt für eine Panne.
Mittlerweile war bereits der 3. Juli. In wenigen Tagen mussten wir in Tirana sein, wo unser House Sitting beginnen sollte. Langsam machte sich bei uns die Sorge breit, dass unser Zeitplan nicht mehr aufgehen könnte.
Ausgerechnet jetzt.
Zum Glück war Dennis zufällig noch in der Nähe unterwegs. Ohne zu zögern kam er vorbei und begann, sämtliche Kontakte abzutelefonieren, die ihm einfielen. Werkstätten, Mechaniker, Freunde. Einer nach dem anderen.
Doch niemand meldete sich.
Nach einigen Telefonaten erreichte er schließlich doch noch einen Mechaniker, den er selbst gar nicht kannte. Wenig später stand dieser neben unserem Bronco und machte sich sofort an die Arbeit.
Fast eine halbe Stunde lang suchte er nach der Ursache. Hier das passende 🎥 Reel.
Dann schüttelte er den Kopf.
Er wusste nicht weiter.

Inzwischen blieb nur noch eine Möglichkeit.
Der Abschleppwagen musste kommen.

Als wir wenig später auf der Ladefläche saßen, wussten wir noch nicht, wohin die Fahrt gehen würde. Ehrlich gesagt rechneten wir schon mit mehreren Tagen Werkstattaufenthalt.
Doch wieder einmal hatten wir Glück.
Nach kaum zehn Minuten Fahrt bog der Abschleppwagen auf den Hof einer kleinen Werkstatt ein, die sich auf amerikanische Geländewagen spezialisiert hatte.
Schon beim Aussteigen war klar, dass wir hier richtig waren.

Überall standen amerikanische Fahrzeuge. Pick-ups, Jeeps und alte Geländewagen. Der Besitzer begrüßte uns freundlich und man merkte sofort, dass amerikanische Autos für ihn weit mehr als nur ein Beruf waren.
Obwohl es bereits spät am Abend war, machte er sich sofort an die Fehlersuche.
Und tatsächlich dauerte es gar nicht lange.
Das Problem war wieder das TFI-Modul.
Genau dieses Bauteil hatte uns schon einmal in Marokko Schwierigkeiten bereitet. Der Mechaniker tauschte es aus, überprüfte noch einige andere Dinge am Motor und ließ den Bronco anschließend laufen.
Diesmal klang alles wieder so, wie es sollte.
Ein riesiger Stein fiel uns vom Herzen.
Da es inzwischen bereits nach 22 Uhr war, beschlossen wir, nicht mehr weiterzufahren. Ganz in der Nähe fanden wir einen Campingplatz, auf dem wir die Nacht verbrachten.
Am nächsten Morgen lief der Bronco problemlos.
Und wir konnten unsere Reise endlich fortsetzen.
Mostar – Geschichte, die verbindet
Unser nächstes Ziel führte uns zurück nach Bosnien-Herzegowina.
Genauer gesagt nach Mostar. Hier ein kleines 🎥 Reel.
Berühmt ist die Stadt vor allem für ihre historische Brücke, die Stari Most. Sie wurde im 16. Jahrhundert erbaut, im Bosnienkrieg zerstört und später originalgetreu wieder aufgebaut. Heute gehört sie zum UNESCO-Weltkulturerbe und gilt als Symbol für Versöhnung und Zusammenhalt.

Schon beim ersten Spaziergang verstanden wir, warum Mostar so viele Menschen begeistert.
Die engen Gassen, die alten Steinhäuser und die vielen kleinen Geschäfte erinnerten uns stellenweise sogar ein wenig an Marokko.
Jürgen hatte wegen seines Fußes zwar ziemliche Schmerzen und jeder Schritt fiel ihm schwer. Trotzdem wollten wir uns die Stadt nicht entgehen lassen.
Langsam schlenderten wir durch die Altstadt, beobachteten die Brückenspringer an der Stari Most und genossen die besondere Atmosphäre.
Bosnien-Herzegowina hatte uns bis dahin ohnehin positiv überrascht.
Nicht nur wegen der Landschaft.
Vor allem wegen der Menschen.
Überall wurden wir freundlich empfangen und hatten das Gefühl, willkommen zu sein.
Zwei Tage am Fluss in Blagaj
Nach Mostar zog es uns wieder ans Wasser.
In Blagaj fanden wir einen kleinen Campingplatz direkt am Fluss Buna. Das Wasser war ähnlich kalt wie an der Sturba, dafür aber genau richtig, um sich bei den sommerlichen Temperaturen zwischendurch abzukühlen.

Auch hier begegneten wir wieder einer außergewöhnlichen Gastfreundschaft.
Der Besitzer begrüßte uns mit einem Getränk unserer Wahl und einem Stück Kuchen. Am Abend schenkte er uns zusätzlich noch eine Flasche Wein und später sogar noch zwei Gläser für den Sonnenuntergang.
Wir wollten nur etwas essen. Am Ende wurden wir regelrecht verwöhnt.
Für umgerechnet gerade einmal achtzehn Euro standen mehrere Gerichte auf dem Tisch und wir waren anschließend pappsatt.
Immer wieder fragten wir uns, wie die Menschen dabei noch so herzlich und großzügig bleiben konnten.
Es waren genau diese Begegnungen, die Bosnien-Herzegowina für uns zu etwas Besonderem machten.
Am liebsten wären wir noch ein paar Tage geblieben.
Doch Albanien wartete bereits auf uns.
Trebinje – ein Stück Marokko auf dem Balkan
Bevor wir Bosnien-Herzegowina verließen, legten wir noch einen Zwischenstopp in Trebinje ein.
Von außen wirkt die Altstadt eher unscheinbar. Doch sobald man durch das Stadttor tritt, fühlt man sich plötzlich an unsere Zeit in Marokko erinnert. Hohe Natursteinmauern umgeben die kleine Altstadt. Enge Gassen führen vorbei an schattigen Plätzen, gemütlichen Restaurants und kleinen Cafés. Nur die Souks fehlen.
Trebinje strahlt eine unglaubliche Ruhe aus.

Wir schlenderten ohne Ziel durch die Gassen, machten Fotos und genossen einfach die Atmosphäre. Wieder so ein Ort, von dem wir vorher kaum etwas gehört hatten und der uns am Ende positiv überraschte.
Noch einmal über die Berge
Von Trebinje ging es weiter Richtung Montenegro.
Vor uns lagen wieder zahlreiche Serpentinen und mehrere Bergpässe. Nach den vielen technischen Problemen der vergangenen Tage hörten wir diesmal bei jedem ungewöhnlichen Geräusch ganz genau hin.
Immer wieder schauten wir auf die Temperaturanzeige.
Doch der Bronco hielt durch.
Fast schien es, als wolle er uns beweisen, dass wir ihm doch noch vertrauen konnten.

An der Küste Montenegros suchten wir etwas länger nach einem Campingplatz. Einige gefielen uns nicht, andere waren komplett überfüllt oder viel zu teuer. Am Ende fanden wir aber doch noch einen schönen Platz und konnten den Abend entspannt ausklingen lassen.

Mit der Fähre Richtung Albanien
Am nächsten Morgen ging es weiter.
Statt die komplette Bucht von Kotor zu umfahren, entschieden wir uns für die kleine Autofähre. Für wenig Geld sparten wir dadurch viele Kilometer und konnten die beeindruckende Landschaft einmal vom Wasser aus erleben.

Schon kurze Zeit später erreichten wir die Grenze zu Albanien.
Die Einreise verlief überraschend unkompliziert. Nach wenigen Minuten waren wir bereits im nächsten Land unserer Reise.
Für die Fahrt Richtung Tirana suchten wir bewusst eine Route, die möglichst wenige steile Anstiege hatte. Nach den Erfahrungen der letzten Wochen wollten wir den Bronco nicht unnötig fordern.
Ganz ohne Nervenkitzel ging es allerdings auch diesmal nicht.
Plötzlich tauchte vor uns ein riesiger Berghang auf. Schon von Weitem konnten wir erkennen, wie sich die Straße bis zum Horizont hinaufschlängelte.
Jürgen schaute kurz nach oben und sagte nur:
„Wenn wir Pech haben, müssen wir genau da hoch.“
Natürlich mussten wir.
Meter für Meter kämpfte sich der Bronco den Berg hinauf. Wir hofften, dass der Motor diesmal durchhalten würde.
Zum Glück tat er genau das.
Erst als wir den Pass hinter uns gelassen hatten, fiel die Anspannung langsam wieder von uns ab.
Zwei Tage am Meer
Über Park4Night fanden wir schließlich einen kleinen Stellplatz direkt am Strand bei Shengjin.
Eigentlich wollten wir dort nur eine Nacht verbringen.
Am Ende wurden daraus zwei.
Zum ersten Mal seit langer Zeit hatten wir das Gefühl, einfach einmal nichts zu müssen.
Direkt vor unserem Bronco lag die Adria. Der Strand war sauber, das Wasser angenehm warm und erstaunlich wenig los. Tagsüber arbeiteten wir mit Blick aufs Meer und zwischendurch sprangen wir immer wieder zur Abkühlung ins Wasser.
Der Platz hatte etwas von Ibiza.


Entspannte Musik, lockere Atmosphäre und die schönsten Sonnenuntergänge direkt am Strand.
Wenn wir nicht pünktlich zum House Sitting nach Tirana gemusst hätten, wären wir wahrscheinlich noch einige Tage länger geblieben.
Gleichzeitig fiel uns auf, wie sehr sich Albanien gerade verändert.
Überall wurde gebaut. Neue Hotels entstanden, Straßen wurden ausgebaut und an vielen Stellen investierte das Land sichtbar in den Tourismus. Dazwischen standen allerdings auch immer wieder Bauruinen, die daran erinnerten, dass nicht jedes Projekt erfolgreich abgeschlossen wurde.
Ankommen in Tirana
Am 8. Juli war es schließlich so weit.
Nach nur noch anderthalb Stunden Fahrt erreichten wir Tirana.

Mitten in einem Wohnviertel wartete bereits unser neues Zuhause für die kommenden fünf Wochen auf uns. Ein dreistöckiges Stadthaus, zwei Hunde, zwei Katzen und eine Familie, die uns ihr Zuhause anvertraute.
Nach den vergangenen Wochen fühlte sich das fast ein wenig unwirklich an.
Endlich einmal nicht jeden Morgen zusammenpacken.
Nicht überlegen, wo wir am Abend schlafen würden.
Nicht ständig auf der Suche nach dem nächsten Stellplatz.
Für eine Weile durften wir einfach ankommen.
Der Moment des Abschnitts
Wenn wir heute an diese Etappe zurückdenken, denken wir nicht zuerst an Grenzen, Kilometer oder Sehenswürdigkeiten.
Wir denken an Menschen.
An den Schäfer, der irgendwo auf einer bosnischen Hochebene spontan ein Zündkabel aus einem alten Auto ausbaute und damit unsere Reise rettete.
An die Gastgeber am Sturba River, die uns mit einem Glas Slivovica begrüßten und uns das Gefühl gaben, zur Familie zu gehören.
An Dennis, der uns mitten in der Kirschernte seine Zeit schenkte und uns seine Plantage als Zuhause für eine Nacht überließ.
An den Mechaniker, der am Freitagabend lieber unter unserem Bronco lag, als Feierabend zu machen.
Und an all die kleinen Begegnungen unterwegs, die in keinem Reiseführer stehen.
Genau deshalb reisen wir.
Nicht, um möglichst viele Länder abzuhaken.
Sondern um Menschen kennenzulernen, ihre Geschichten zu hören und unterwegs selbst Geschichten zu erleben, die wir niemals hätten planen können.
Bosnien-Herzegowina hat uns mit seiner Landschaft begeistert.
Seine Menschen aber haben unser Herz gewonnen.